Wie Ablenkung durch Geräusche die Schmerzen bei kosmetischen Botulinum-Injektionen lindert

Warum das wichtig ist

Aktuelle Forschungen in der Dermatologie bestätigen, was viele Patientinnen und Patienten schon spüren: Bessere Haut zu bekommen hängt nicht nur von neuen Medikamenten ab. Wann und wie die Behandlung stattfindet, wie Therapien verabreicht werden und kleine Maßnahmen zur Verringerung von Angst und Schmerzen können die Ergebnisse deutlich verbessern. Im Folgenden stelle ich einige neue Studien vor und erläutere, was sie für Menschen mit häufigen Hautproblemen bedeuten könnten.

Schmerzarme kosmetische Behandlungen durch Klang

Viele Menschen erhalten Injektionen mit Botulinumtoxin (häufig zur kosmetischen Glättung von Falten). Eine neue Studie untersuchte, ob Musik oder weißes Rauschen während der Spritzen die Schmerzen lindern können.

Sowohl selbst ausgewählte Musik als auch standardisiertes weißes Rauschen senkten die durchschnittlichen Schmerzwerte im Vergleich zu den üblichen Geräuschen in der Klinik. Besonders deutlich war der Effekt bei Menschen, die diese Injektionen zum ersten Mal bekamen – Erstbehandelnde berichteten meist von stärkeren Schmerzen als Personen mit früheren Injektionen. Fast alle, die die Klangoptionen ausprobierten, wollten sie wieder nutzen: 85 % in der Musikgruppe und 96,8 % in der Weißrauschgruppe (Quelle: Ozgen Z., Do White noise or music relieve pain caused by botulinum toxin injections?, 2026).

Was das bedeutet: Musik oder weißes Rauschen anzubieten, ist eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, Behandlungen angenehmer zu gestalten – besonders für nervöse oder erstmalige Patientinnen und Patienten. Die Studie zeigt außerdem, dass weniger Angst Schmerzen oft erträglicher macht.

Hidradenitis suppurativa (HS): Abnehmen hilft, ist aber nicht alles

Hidradenitis suppurativa (HS) ist eine chronische Hauterkrankung, die schmerzhafte Knoten und Narben in Bereichen wie Achseln und Leiste verursacht. Eine Querschnittsstudie aus Saudi-Arabien untersuchte Menschen mit HS, die eine bariatrische (Gewichtsreduktions-)Operation hatten, und verglich dabei Schmerz, Depression, Angst und Lebensqualität.

Die operierten Personen hatten tendenziell niedrigere Durchschnittswerte bei der hautbezogenen Lebensqualität, Depression (gemessen mit PHQ-9), Angst (GAD-7) und Schmerzen. Nach statistischer Anpassung waren diese Unterschiede jedoch nicht mehr signifikant. Trotzdem zeigte sich ein klares Muster: Die Schmerzintensität hing eng damit zusammen, wie sehr HS den Alltag und die psychische Gesundheit beeinträchtigte (Quelle: Alsukait S. et al., Impact of bariatric surgery on quality of life and psychological well-being among patients with hidradenitis suppurativa, 2026).

Was das bedeutet: Abnehmen kann einige Symptome von HS verbessern, aber nicht alle Probleme lösen. Narben, anhaltende Schmerzen, überschüssige Hautfalten nach Gewichtsverlust und Ernährungsveränderungen nach der Operation können weiterhin Beschwerden verursachen. Die Studie empfiehlt einfache Schmerztests als schnelle Methode, um abzuschätzen, wie sehr HS das Leben und die Stimmung beeinflusst.

Frühere HS-Diagnose verändert den Behandlungsweg

Eine große Auswertung von Patientendaten zeigte, dass Menschen mit einer bestätigten HS-Diagnose schneller mit fortgeschrittenen Therapien, sogenannten Biologika, begannen und seltener Not- oder Krankenhausbesuche hatten als Personen, bei denen HS zwar wahrscheinlich war, aber nie offiziell diagnostiziert wurde.

  • Medianzeit bis zum Beginn einer Biologikatherapie: etwa 110 Tage bei bestätigter HS vs. 166 Tage bei vermuteter, aber nicht diagnostizierter HS.
  • 30-Tage-Krankenhausaufenthaltsrisiko: 0,8 % bei bestätigter HS vs. 3,7 % bei vermuteter HS.
  • 30-Tage-Notaufnahmebesuchsrisiko: 2,6 % bei bestätigter HS vs. 11,7 % bei vermuteter HS (Quelle: Chovatiya R. et al., Patient journey and disparities in the diagnosis and treatment of patients with hidradenitis suppurativa, 2026).

Die Studie zeigte außerdem soziale und ethnische Unterschiede: Hispanic- und Schwarze Patientinnen und Patienten hatten längere Wartezeiten bis zum Beginn der Biologikatherapie, und Menschen in sozial benachteiligten Regionen hatten verzögerten Zugang zur Behandlung.

Was das bedeutet: Eine frühere Erkennung und Dokumentation von HS kann den Zugang zu Therapien beschleunigen und Notfallbesuche reduzieren. Die Diagnose allein behebt jedoch nicht die tieferliegenden Ungleichheiten im Gesundheitswesen – dafür sind gesonderte Maßnahmen nötig.

Psoriasis: Medikamentenspiegel zur Therapieentscheidung nutzen

Psoriasis ist eine entzündliche Hauterkrankung, die oft mit Biologika wie Adalimumab behandelt wird. Eine große pharmakokinetische/pharmakodynamische Modellstudie prüfte, ob das Überwachen der Medikamentenspiegel im Blut – das sogenannte Therapeutische Drug Monitoring (TDM) – helfen kann, die Behandlung besser anzupassen.

In Computersimulationen verbesserten TDM-gesteuerte Dosierungsanpassungen die Behandlungsergebnisse: Der Anteil der Patientinnen und Patienten, die eine 90-prozentige Verbesserung der Erkrankung (PASI90) erreichten, stieg von etwa 28 % auf 39 %, und die 75-prozentige Verbesserung (PASI75) von etwa 62 % auf 70 %.

Das Modell identifizierte zudem zwei hilfreiche Gruppen: Menschen, die trotz Dosiserhöhung weiterhin niedrige Medikamentenspiegel hatten (und weniger wahrscheinlich PASI90 erreichten), sowie solche, die gut auf die Therapie ansprachen und möglicherweise auch mit einer reduzierten Dosis die Kontrolle behalten könnten (Quelle: Pan S. et al., Evaluation of a therapeutic drug monitoring strategy for adalimumab in psoriasis, 2026).

Was das bedeutet: Die Messung von Biologika-Spiegeln könnte Ärztinnen und Ärzten helfen, besser zu entscheiden, ob eine Dosis erhöht, verringert oder das Medikament gewechselt werden sollte – statt nur zu raten. Da die Studie auf Simulationen basierte und keine Patientinnen und Patienten direkt beobachtete, sind weitere Studien in der Praxis nötig, um den Nutzen zu bestätigen.

Chronische spontane Urtikaria (CSU): kleine Pilotstudie mit autologen IgG-Injektionen

Chronische spontane Urtikaria (CSU) ist eine Form von Nesselsucht, die über Monate immer wieder auftritt, ohne dass ein klarer Auslöser erkennbar ist. Eine kleine offene Pilotstudie testete intramuskuläre Injektionen mit dem eigenen Gesamt-IgG (ein Teil des Immunsystems) bei Menschen, deren Nesselsucht nicht auf Antihistaminika ansprach.

Über 24 Wochen berichteten die Forschenden von Verbesserungen bei den Krankheitsaktivitätswerten (UAS7 sank median um 13 Punkte), besserer Symptomkontrolle (UCT verbesserte sich median um 4 Punkte) und etwa 27 % der Teilnehmenden, die die Nachbeobachtung abschlossen, erreichten nach 24 Wochen eine vollständige Remission. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf (Quelle: Ye YM. et al., Clinical efficacy and safety of intramuscular injections of autologous total IgG in patients with chronic spontaneous urticaria, 2026).

Was das bedeutet: Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend, da die Vorteile über die Behandlungszeit hinaus anhielten – was auf eine mögliche immunmodulierende Wirkung hindeutet. Da die Studie klein und nicht placebokontrolliert war, sind größere kontrollierte Studien nötig, bevor diese Behandlung zur Routine wird.

Wann Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen sollten

Sprechen Sie mit einer Dermatologin oder Ihrem Hausarzt, wenn Sie:

  • Neue oder sich verschlimmernde schmerzhafte Knoten, eiternde Knötchen oder Narben in Hautfalten bemerken (mögliche HS).
  • Wochen- bis monatelange Nesselsucht haben oder Nesselsucht, die nicht auf frei verkäufliche Antihistaminika anspricht (mögliche CSU).
  • Ausgedehnte oder schwer behandelbare Psoriasis haben oder wenn die Erkrankung Ihre Lebensqualität beeinträchtigt.
  • Sorgen wegen Schmerzen oder Angst vor kosmetischen Behandlungen haben.

Bei ernsthaften Symptomen wie schnell wachsenden oder blutenden Hautveränderungen, Anzeichen einer Infektion (Fieber, zunehmende Rötung, Wärme, Eiter) oder starken, nicht kontrollierbaren Schmerzen sollten Sie umgehend medizinische Hilfe suchen.

Tipps zum Beobachten sichtbarer Veränderungen

Ein einfaches Fototagebuch kann Ihnen helfen, Veränderungen bei Ausschlag, Knoten oder Narben im Laufe der Zeit besser zu erkennen. So können Sie bei Arztterminen genauere Informationen weitergeben.

Kurzer Hinweis

Dieser Artikel dient der Information und fasst aktuelle Studien zusammen. Er ersetzt keine ärztliche Beratung. Entscheidungen zur Behandlung sollten immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt getroffen werden. Bei neuen oder sich verschlechternden Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine medizinische Fachkraft.

Quellen

  1. Ozgen Z. Do White noise or music relieve pain caused by botulinum toxin injections?. 2026;2026(1):e3007685. doi:10.1155/prm/3007685 (Quelle: Ozgen Z., Do White noise or music relieve pain caused by botulinum toxin injections?, 2026).
  2. Alsukait S, Alotaibi H, Alkofide M, et al. Impact of bariatric surgery on quality of life and psychological well‑being among patients with hidradenitis suppurativa: a cross‑sectional study. Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology. 2026. doi:10.2147/CCID.S584656 (Quelle: Alsukait S. et al., Impact of bariatric surgery on quality of life and psychological well‑being among patients with hidradenitis suppurativa, 2026).
  3. Chovatiya R, Gayle J, Low R, Oh T, Gomez I, Rosenthal N. Patient journey and disparities in the diagnosis and treatment of patients with hidradenitis suppurativa. Published 2026 Feb 24. doi:10.1016/j.xjidi.2026.100462 (Quelle: Chovatiya R. et al., Patient journey and disparities in the diagnosis and treatment of patients with hidradenitis suppurativa, 2026).
  4. Pan S, Tsakok T, Wei R, et al. Evaluation of a therapeutic drug monitoring strategy for adalimumab in psoriasis: a prospective pharmacokinetic‑pharmacodynamic study. doi:10.1111/cts.70563 (Quelle: Pan S. et al., Evaluation of a therapeutic drug monitoring strategy for adalimumab in psoriasis, 2026).
  5. Ye YM, Kim ME, Kwon B, Nahm DH. Clinical efficacy and safety of intramuscular injections of autologous total IgG in patients with chronic spontaneous urticaria: an open‑label prospective pilot trial. doi:10.1111/exd.70249 (Quelle: Ye YM. et al., Clinical efficacy and safety of intramuscular injections of autologous total IgG in patients with chronic spontaneous urticaria, 2026).
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