Wie die Genexpressionsanalyse bei frühen Melanomen die Entscheidung für eine Wächterlymphknotenbiopsie unterstützt

Warum das wichtig ist

Wenn bei Ihnen ein Melanom im Frühstadium diagnostiziert wurde, hören Sie vielleicht, wie Ihr Arzt oder Ihre Ärztin über Tests und Entscheidungen spricht, die zunächst verwirrend wirken können. Ein Verfahren, das immer häufiger zum Einsatz kommt, ist der Genexpressionsprofil-Test (GEP). Bei einer kürzlich stattgefundenen virtuellen Fallrunde von Dermatolog:innen wurde besprochen, wie GEP-Tests im Alltag helfen können, besser einzuschätzen, wer eine zusätzliche Operation oder engmaschigere Nachsorge benötigt.

Was ist ein GEP-Test und warum wird er eingesetzt?

Der Genexpressionsprofil-Test (GEP) untersucht die Aktivitätsmuster innerhalb des Melanom-Tumors, um abzuschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass der Krebs zurückkehrt oder sich in benachbarten Lymphknoten ausbreitet. Er ersetzt nicht die herkömmliche Stadieneinteilung (die zum Beispiel die Dicke des Tumors oder das Vorhandensein einer Ulzeration berücksichtigt), liefert aber zusätzliche Informationen über die biologische Beschaffenheit des Tumors.

Ein bei dem Treffen erwähnter kommerziell verfügbarer GEP-Test ist der i31‑GEP. Die Ergebnisse werden oft als niedriges Risiko (zum Beispiel Klasse 1A) oder hohes Risiko (zum Beispiel Klasse 2B) angegeben, zusammen mit Zahlen, die etwa die Wahrscheinlichkeit eines positiven Wächterlymphknoten-Befunds oder die prozentuale Chance angeben, über einen bestimmten Zeitraum krebsfrei zu bleiben.

Wie passt das zu den aktuellen Empfehlungen?

Das National Comprehensive Cancer Network (NCCN) gibt Empfehlungen, die dabei helfen, zu entscheiden, wann eine Wächterlymphknotenbiopsie (SLNB) sinnvoll ist. Bei der SLNB wird der erste Lymphknoten untersucht, auf den sich ein Melanom ausbreiten könnte. Bei sehr dünnen Melanomen wird die SLNB meist nicht empfohlen. Bei manchen Fällen, die dünn, aber nicht zu dünn sind, befindet man sich in einer sogenannten „Diskutieren und Abwägen“-Zone, in der die Entscheidung vom individuellen Risiko und den Werten der Patientin oder des Patienten abhängt.

Die Teilnehmenden der Runde waren sich einig, dass GEP-Tests besonders in diesem Graubereich (vor allem bei Tumoren der Stadien T1 und T2) hilfreich sind, um die Entscheidung über eine SLNB zu personalisieren und festzulegen, wie engmaschig die Nachsorge sein sollte.

Kurze Erklärung wichtiger Begriffe

  • Breslow-Dicke: Die Dicke des Melanoms, gemessen in Millimetern.
  • Ulzeration: Ob die Haut über dem Melanom beschädigt oder offen ist; eine Ulzeration deutet meist auf ein höheres Risiko hin.
  • Mitotische Rate: Wie schnell sich die Tumorzellen teilen; höhere Werte sprechen für ein aktiveres Tumorwachstum.
  • RFS (rezidivfreies Überleben): Der Prozentsatz der Menschen, bei denen der Krebs zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht zurückgekehrt ist.

Konkrete Fälle aus der Runde

Fall 1: Dünnes Melanom an der Fußsohle mit unklarer Einschätzung

Eine 45-jährige Frau hatte ein Melanom an der Fußsohle (plantar). Der Tumor war 0,6 mm dick, nicht ulzeriert und zeigte eine niedrige Mitosezahl. Nach der Standard-Stadieneinteilung entsprach das einem pT1a (Stadium IA), und gemäß den NCCN-Richtlinien wäre eine SLNB hier normalerweise nicht vorgesehen.

Einige Ärzt:innen äußerten Bedenken bei sogenannten akralen Melanomen (an Handflächen, Fußsohlen oder unter den Nägeln), da diese sich anders verhalten können als Melanome an anderen Körperstellen und durch die aktuellen Stadieneinteilungen nicht immer optimal erfasst werden. Das Team entschied sich deshalb für einen i31‑GEP-Test. Das Ergebnis war ein niedriges Risiko (Klasse 1A) mit folgenden Schätzungen:

  • Wahrscheinlichkeit eines positiven SLNB: 4,7 %
  • Rezidivfreies Überleben: 91,3 %
  • Metastasenfreies Überleben: 94,6 %
  • Melanomspezifisches Überleben: 97,8 %

Diese Werte passten gut zu ihrem Stadium IA. Die Ärzt:innen waren sich einig, dass eine breite lokale Entfernung des Tumors mit einem Sicherheitsabstand und eine routinemäßige dermatologische Nachsorge angemessen sind – ohne SLNB oder zusätzliche bildgebende Verfahren. In mehreren Praxen gilt ein rezidivfreies Überleben von über 90 % als niedrig genug, um bei der Standardüberwachung zu bleiben.

Fall 2: Die Entscheidung bei T1b – „diskutieren und abwägen“

Ein 63-jähriger Mann hatte ein Melanom am Rücken, 0,8 mm dick, nicht ulzeriert, mit einer Mitosezahl von 2. Das entspricht pT1b, einem Stadium, bei dem laut NCCN eine SLNB besprochen und erwogen werden sollte.

Diese Entscheidung zählt zu den schwierigsten in der Frühbehandlung von Melanomen. In der Runde berichteten die Ärzt:innen, dass das Abwägen von Risiken und Nutzen sowie das Ergebnis des GEP-Tests oft entscheidender sind als der Zugang zu Operationen oder Onkologie.

Das Panel verwies auf laufende Studien (MERLIN_001, NCT04759781) und eine Fußnote in den NCCN-Richtlinien 2026, die anerkennt, dass ein vorhersagender GEP-Test bei ausgewählten Patienten mit T1b–T2a helfen kann, gemeinsam eine Entscheidung zu treffen, wenn das tatsächliche Risiko für Lymphknotenbefall unter 10 % liegt.

In diesem Fall ergab ein klinisch-pathologischer GEP-Test ein niedriges Risiko. Der Patient, der sich um seine Frau kümmerte und eine Operation vermeiden wollte, entschied sich gegen die SLNB und für die alleinige breite lokale Entfernung. Er stimmte einer engen dermatologischen und lymphknotenbezogenen Nachuntersuchung alle drei Monate zu.

Fall 3: Wenn der GEP ein höheres biologisches Risiko zeigt

Ein 58-jähriger Mann, der viel im Freien arbeitet, hatte ein Melanom am Unterarm, 1,0 mm dick, nicht ulzeriert, mit einer Mitosezahl von 1 (pT1b). Viele Teilnehmende empfahlen sowohl eine SLNB als auch einen GEP-Test.

Der i31‑GEP zeigte ein hohes Risiko (Klasse 2B) mit einer geschätzten 13,1%igen Chance auf einen positiven SLNB und einem rezidivfreien Überleben von 84 %. Hier stimmten der molekulare Test und die herkömmliche Stadieneinteilung nicht überein: Der Tumor wirkte nach der Stadieneinteilung grenzwertig, biologisch jedoch besorgniserregender.

Etwa 40 % der Teilnehmenden sagten, sie würden das Ergebnis des GEP-Tests bevorzugen, wenn andere klinische Merkmale dazu passen. Die meisten empfahlen, ein multidisziplinäres Team einzubeziehen, also sowohl chirurgische als auch medizinische Onkolog:innen, um den weiteren Plan zu erstellen.

Die gemeinsame Empfehlung für solche Fälle lautete:

  • SLNB durchführen.
  • Wenn die SLNB negativ ist, der GEP-Test aber ein hohes Risiko zeigt, sollte das Ergebnis für eine engmaschigere Nachsorge genutzt werden (häufigere Haut- und Lymphknotenuntersuchungen und in vielen Kliniken auch bildgebende Verfahren zu Beginn oder in regelmäßigen Abständen).
  • Medizinische Onkolog:innen frühzeitig einbeziehen, auch wenn das formale Stadium I lautet, da ein hohes Risiko im GEP-Test auf ein aggressiveres Verhalten des Tumors hindeutet.

Worauf sich die Ärzt:innen einigten

Breslow-Dicke und Ulzeration bleiben zentrale Faktoren für die Stadieneinteilung und die Therapieentscheidungen. Doch GEP-Tests werden zunehmend als praktisches Mittel genutzt, um das Risiko individuell einzuschätzen, die Entscheidung zur SLNB zu erleichtern und die Nachsorge nach der Operation festzulegen – besonders bei T1- und T2-Tumoren, bei denen die SLNB nicht zwingend vorgeschrieben ist.

Die meisten Teilnehmenden verwenden bereits mindestens einen kommerziellen GEP-Test in ihrer Praxis. Sie wünschten sich klarere Empfehlungen von Organisationen wie dem NCCN oder der American Academy of Dermatology sowie formale Algorithmen, die den Einsatz dieser Tests standardisieren würden.

Tumorboards und medizinische Onkolog:innen bleiben wichtig, um ein GEP-Ergebnis in einen langfristigen Behandlungsplan einzubinden.

Veränderungen sichtbar verfolgen

Es kann hilfreich sein, eine einfache Dokumentation eines Muttermals oder einer Hautveränderung zu führen, die Ihr Arzt oder Ihre Ärztin beobachtet. Notizen oder Fotos über die Zeit erleichtern es, Veränderungen zu erkennen, die Sie Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin melden sollten.

Wann Sie zum Arzt gehen sollten

Wenn sich ein Muttermal oder eine Hautstelle schnell verändert, blutet, schmerzt, entzündet ist, schnell wächst oder Sie unsicher sind, suchen Sie bitte umgehend ärztlichen Rat. Entscheidungen zu SLNB, weiteren bildgebenden Verfahren oder häufigeren Nachsorgen sollten Sie mit Ihrem Dermatologen, Chirurgen oder Onkologen besprechen.

Haftungsausschluss

Dieser Artikel fasst eine virtuelle Fallrunde von Dermatolog:innen zusammen. Er dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Behandlungsentscheidungen hängen von individuellen Umständen ab und sollten immer mit Ihrem Ärzteteam besprochen werden.

Quellen

  1. Diskussion bei der Dermatology Times Fallrunde (virtuelles Treffen), moderiert von Brent Moody, MD.
  2. MERLIN_001-Studie (ClinicalTrials.gov Kennung NCT04759781).
  3. Empfehlungen des National Comprehensive Cancer Network (NCCN), 2026 (Version 1), Fußnote, die während der Runde erwähnt wurde.
  4. i31‑GEP-Test (kommerzieller Genexpressionsprofil-Test), wie in den Fallbeispielen der Runde berichtet.
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