Wichtige Sicherheits- und Transparenzprobleme bei mobilen KI-Haut-Apps entdeckt
Warum das wichtig ist
Smartphone-Apps, die Hautprobleme analysieren, werden immer häufiger genutzt. Viele Menschen verwenden sie, um mehr über Hautausschläge zu erfahren, Muttermale zu beobachten oder schnelle Rückmeldungen zwischen Arztbesuchen zu bekommen. Eine aktuelle Übersicht der European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) AI Task Force hat diese Apps genau unter die Lupe genommen, um herauszufinden, wie gut sie funktionieren und wie sicher sie im Alltag sind. Die Ergebnisse könnten für Sie interessant sein, wenn Sie überlegen, eine App bei Hautproblemen zu nutzen. (Quelle: EADV AI Task Force review, Sangers T, et al., 2026)
Was die Forscher untersucht haben
Das Team hat den Apple App Store und Google Play Store in 44 europäischen Ländern durchsucht. Im Jahr 2024 fanden sie 1.746 Dermatologie-Apps, von denen nach einer Vorauswahl 420 in die Bewertung aufgenommen wurden. Da KI-Tools schnell wachsen, wurde 2026 eine Aktualisierung durchgeführt, die sich speziell auf KI-basierte Apps zur Hautkrebsvorsorge konzentrierte. Dabei wurden 38 solcher Apps in Europa gefunden. (Quelle: EADV AI Task Force review, Sangers T, et al., 2026)
Für wen die Apps gedacht sind und was sie können
Die meisten Apps sind für Laien und nicht für Fachleute entwickelt. Etwa 60 % richten sich an Patientinnen und Patienten oder die breite Öffentlichkeit, 40 % an Ärztinnen und Ärzte. Fast alle Apps (94 %) sind kostenlos herunterladbar, und 61 % sind in beiden großen App-Stores verfügbar.
Die häufigsten App-Typen waren:
- Teledermatologie (virtuelle Termine oder Fernberatungen) – die größte einzelne Kategorie
- Allgemeine Hautgesundheitsinformationen
- Leitfäden zu bestimmten Erkrankungen wie Ekzem oder Akne
- Werkzeuge zum Messen oder Beobachten von Hautveränderungen
33 Apps boten eine Selbstdiagnose an, die meisten davon nutzten eine Form von KI (künstlicher Intelligenz). Insgesamt gaben nur etwa 12 % der Apps aus 2024 an, KI zu verwenden. Von diesen KI-gestützten Tools konzentrierten sich rund 41 % auf die Diagnose von Hautkrebs. (Quelle: EADV AI Task Force review, Sangers T, et al., 2026)
Große Lücken bei klinischen Nachweisen und Regulierung
Obwohl es viele Apps gibt, zeigte die Übersicht, dass kaum belastbare, öffentlich zugängliche Belege vorliegen, die ihre Wirksamkeit im Alltag bestätigen.
- Nur 20 % der Apps waren mit mindestens einer wissenschaftlichen Publikation in PubMed verknüpft – meist nur kurze Erwähnungen, keine ausführlichen Studien.
- 24 Apps wurden in klinischen Studien untersucht, aber nur fünf davon in randomisierten, kontrollierten Studien – dem strengsten Studiendesign.
- Lediglich sechs Apps wurden nach der Veröffentlichung bei echten Nutzerinnen und Nutzern bewertet.
Auch die Transparenz bei der Regulierung war gering. Nur 2 % der Apps gaben an, eine CE-Kennzeichnung zu besitzen, die die Einhaltung der europäischen Medizinproduktevorschriften bestätigt. Nur 10 % erklärten, dass sie die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) einhalten. Bei KI-basierten Hautkrebs-Apps fehlten meist die erforderlichen Zertifikate für diagnostische Geräte. (Quelle: EADV AI Task Force review, Sangers T, et al., 2026; Quelle: European Commission Medical Devices EUDAMED)
Wie gut die Apps empfohlene KI-Sicherheits- und Transparenzstandards erfüllen
Die EADV AI Task Force hat eine Liste mit empfohlenen Praktiken für KI-Tools erstellt. Die Übersicht zeigte, dass viele Apps keine klaren Informationen zu diesen wichtigen Punkten liefern. Am besten schnitten sie bei folgenden Aspekten ab:
- Kostenoffenlegung: 92 % der KI-Apps gaben an, ob Kosten für den Download anfallen.
- Datenschutz: 87 % informierten zumindest teilweise über den Datenschutz.
Andere wichtige Elemente verantwortungsvoller KI wurden deutlich seltener genannt:
- Einwilligung der Nutzer für kommerzielle Datennutzung: 37 %
- Klinische Validierung (klare Studienergebnisse): 32 %
- Vielfalt der Datensätze, zum Beispiel verschiedene Hauttypen: 21 %
- Nachweise, dass die App bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Kameras ähnlich gut funktioniert: 13 %
- Überwachung nach Markteinführung (wie die App nach Veröffentlichung arbeitet): 8 %
Weitere empfohlene Maßnahmen – etwa die Erklärung, wie der Algorithmus funktioniert, barrierefreies Design, keine Ausgrenzung bestimmter Nutzergruppen und eine Möglichkeit, Fehler zu melden – wurden von weniger als jeder fünften App umgesetzt. Etwa 42 % der KI-Apps gaben an, dass Dermatologinnen, Dermatologen oder andere Fachleute an der Entwicklung beteiligt waren. Öffentliche Informationen dazu waren jedoch knapp, und viele Entwickler reagierten nicht auf Nachfragen. (Quelle: EADV AI Task Force review, Sangers T, et al., 2026)
Bedenken zu Hautfarbe und Fairness
Ein großes Problem ist, dass viele dermatologische KI-Tools hauptsächlich mit Bildern heller Hauttypen trainiert wurden. Das kann die Genauigkeit bei Menschen mit dunklerer Haut verringern. Die Übersicht fand kaum Hinweise darauf, dass die meisten Entwickler dieses Problem durch vielfältigere Trainingsdaten oder Tests an verschiedenen Hauttypen angegangen sind. (Quelle: EADV AI Task Force review, Sangers T, et al., 2026)
Was die Gutachter empfehlen
Die Autoren sehen in den Apps Potenzial für Aufklärung, Teledermatologie und das Beobachten von Hautveränderungen zwischen Arztbesuchen. Gleichzeitig betonen sie, dass strengere Kontrollen nötig sind, bevor man sich breit auf diese Apps verlassen sollte. Ihre wichtigsten Empfehlungen sind:
- Die Leitlinien der EADV AI Task Force genauer befolgen.
- Mehr klinische Forschung und Tests im Alltag durchführen, um zu zeigen, dass die Apps wirklich helfen.
- Offener kommunizieren, wie die KI entwickelt wurde und wie gut sie funktioniert.
- Mehr Menschen mit verschiedenen Hauttypen in Training und Tests einbeziehen.
- Die Einhaltung von Vorschriften verbessern, damit Nutzer und Ärztinnen/Ärzte den Apps vertrauen können.
Diese Schritte würden die Apps sicherer und nützlicher für alle machen. (Quelle: EADV AI Task Force review, Sangers T, et al., 2026)
Was das für Sie bedeutet
Wenn Sie überlegen, eine Haut-App zu nutzen, ist es in Ordnung, sie zur Information über Hautgesundheit oder zum Beobachten von Veränderungen zu verwenden. Seien Sie aber vorsichtig, wenn Sie sich auf eine Diagnose verlassen wollen. Viele Apps haben keine belastbaren wissenschaftlichen Belege oder klare Regulierung.
Achten Sie darauf, dass die App klare Informationen zu Studien, Datenschutz und Datenverwendung bietet. Wenn eine App behauptet, Hautkrebs oder andere ernste Erkrankungen zu erkennen, prüfen Sie, ob sie veröffentlichte Validierungen oder behördliche Zulassungen vorweisen kann. Fehlen diese Angaben, sollten Sie die Ergebnisse nicht als endgültige medizinische Diagnose ansehen. Besprechen Sie auffällige Befunde immer mit einer Ärztin oder einem Arzt. (Quelle: EADV AI Task Force review, Sangers T, et al., 2026)
Veränderungen sichtbar machen
Apps können hilfreich sein, um zu dokumentieren, wie sich ein Muttermal, Ausschlag oder eine Hautstelle verändert. Sie können Ihnen helfen, Veränderungen früher zu bemerken und sich auf einen Dermatologie-Termin vorzubereiten. Nutzen Sie sie als persönliches Protokoll, nicht als Ersatz für professionelle Beratung.
Wann Sie zum Arzt gehen sollten
Wenn Sie eines der folgenden Anzeichen bemerken, sollten Sie schnell eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen:
- Ein Muttermal oder eine Hautstelle verändert Form, Farbe, Größe oder Oberfläche
- Blutungen, Schmerzen oder Anzeichen einer Infektion (Schwellung, zunehmende Rötung, Eiter)
- Schnelles Wachstum oder eine neue, ungewöhnliche Hautveränderung
- Jede Hautveränderung, die Ihnen Sorgen bereitet oder unsicher macht
Besprechen Sie alle Ergebnisse aus einer App mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt – verlassen Sie sich nicht allein auf die App. Nur ein medizinischer Fachmann kann eine Diagnose stellen und eine Behandlung empfehlen.
Haftungsausschluss
Dieser Artikel fasst eine Forschungsübersicht zusammen und ersetzt keine medizinische Beratung. Wenn Sie Hautprobleme haben, wenden Sie sich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Dermatologin/einen Dermatologen. Bei Notfällen oder ernsthaften Symptomen suchen Sie bitte sofort medizinische Hilfe.
Quellen
- Sangers T, Shifai AN, Pasqualini DGJ, et al. Smartphone Applications in Dermatology With Special Focus on AI: A European-Continent-Based Review. Published online July 15, 2026. doi:10.1111/ijd.70582 (Quelle: EADV AI Task Force review, Sangers T, et al., 2026)
- European Commission Medical Devices EUDAMED. Overview. European Commission Health and Food Safety. https://health.ec.europa.eu/medical-devices-eudamed/overview_en (Quelle: European Commission Medical Devices EUDAMED)