Psoriasis vulgaris (ICD-10: L40) ⚠️

Psoriasis vulgaris (Plaque-Psoriasis): Chronisch entzündliche Hauterkrankung

Übersicht

Psoriasis vulgaris, auch bekannt als chronische Plaque-Psoriasis oder chronische stationäre Psoriasis, ist die häufigste Form der Psoriasis und macht bis zu 90 % der Fälle aus. Es handelt sich um eine chronische, immunvermittelte entzündliche Hauterkrankung, die durch klar abgegrenzte, rote, schuppige Plaques gekennzeichnet ist, die verschiedene Körperstellen befallen können. Diese Plaques haben aufgrund einer Überproduktion und einer gestörten Reifung der Keratinozyten oft eine silbrig-weiße Oberfläche.

Obwohl die Psoriasis nicht lebensbedrohlich ist, beeinträchtigt sie aufgrund ihrer sichtbaren Symptome, des Juckreizes und möglicher systemischer Begleiterkrankungen die Lebensqualität erheblich. Sie verläuft oft rezidivierend-remittierend und kann durch verschiedene Umwelt- und interne Faktoren ausgelöst oder verschlimmert werden.

Epidemiologie

Psoriasis betrifft weltweit etwa 1–2 % der Bevölkerung und tritt bei Männern und Frauen gleich häufig auf. Sie kann in jedem Alter auftreten, wobei zwei Spitzenwerte zu beobachten sind:

  • Typ I (früh auftretend): Tritt vor dem 40. Lebensjahr auf, in der Regel zwischen 20 und 30 Jahren; oft verbunden mit einer familiären Vorbelastung und einem schwereren Krankheitsverlauf;
  • Typ II (spät auftretend): Tritt nach dem 50. Lebensjahr auf und ist in der Regel nicht erblich bedingt.

Ätiologie und auslösende Faktoren

Psoriasis hat multifaktorielle Ursachen, zu denen genetische, umweltbedingte und immunologische Mechanismen beitragen. Obwohl häufig eine genetische Veranlagung vorliegt, sind in der Regel umweltbedingte Auslöser erforderlich, um die Erkrankung auszulösen oder zu verschlimmern.

Zu den wichtigsten Faktoren zählen:

  • Genetische Veranlagung: Polygenetische Vererbung; das HLA-Cw6-Gen steht in engem Zusammenhang mit Typ-I-Psoriasis;
  • Immunfehlfunktion: Aktivierung der Th1- und Th17-Immunantwort, was zu einer Überproduktion von Zytokinen (IL-17, TNF-α) führt;
  • Körperliche Traumata (Köbner-Phänomen);
  • Infektionen: Insbesondere Streptokokkeninfektionen (bei Psoriasis guttata) und Infektionen der oberen Atemwege;
  • Medikamente: Betablocker, Lithium, NSAIDs, Malariamittel, Interferone und Entzug systemischer Kortikosteroide;
  • Alkohol- und Tabakkonsum;
  • Adipositas und metabolisches Syndrom;
  • Psychischer Stress;
  • Klimatische Faktoren: Kalte und trockene Umgebungen können die Symptome verschlimmern.

Klinische Merkmale

Psoriasis vulgaris äußert sich typischerweise durch erythematöse Plaques, die mit dicken, weißen oder silbrigen Schuppen bedeckt sind. Die Läsionen sind scharf abgegrenzt, erhaben und können in Größe und Verteilung variieren.

Häufige Lokalisationen:

  • Streckseiten der Ellenbogen und Knie;
  • Kopfhaut (einschließlich Haaransatz und hinter den Ohren);
  • Rumpf (insbesondere unterer Rücken und Nabelbereich);
  • Gesicht (einschließlich Augenlider und Gehörgang);
  • Handflächen und Fußsohlen;
  • Genitalbereich;
  • Nägel (psoriatische Onychodystrophie): Grübchenbildung, Onycholyse, subunguale Hyperkeratose, dystrophische Verdickung.

Pruritus wird bei etwa 60 % der Patienten berichtet und kann von leicht bis schwer reichen. Während Exazerbationen können sich die Läsionen vermehren, vergrößern und stärker entzünden. Remissionsphasen können je nach individueller Krankheitsbeherrschung Wochen bis Monate oder länger dauern.

Diagnostik

Die Diagnose einer Psoriasis vulgaris ist in erster Linie klinisch. Ein Dermatologe kann die Erkrankung in der Regel anhand des charakteristischen Erscheinungsbildes und der Verteilung der Läsionen erkennen.

Die diagnostischen Schritte umfassen:

  • Körperliche Untersuchung: Identifizierung von scharf abgegrenzten Plaques mit silbriger Schuppung, insbesondere in typischen Bereichen (Ellbogen, Knie, Kopfhaut);
  • Psoriasis-Triade (Auspitz-Zeichen):
    • Stearinfleck-Phänomen: Die Schuppen lassen sich leicht schichtweise ablösen;
    • Terminalfilm: Unter den abgelösten Schuppen erscheint eine glänzende rote Oberfläche;
    • Punktblutungen: Nach dem Abschaben treten punktförmige Blutungen aus den Kapillaren auf.
    • Hautbiopsie: Wird in atypischen Fällen oder zur Bestätigung verwendet. Die Histologie zeigt Akanthose, Parakeratose, Munro-Abszesse und verlängerte Rete-Rippen;
    • PASI-Score (Psoriasis Area and Severity Index): Ein standardisiertes Maß zur Beurteilung des Ausmaßes und der Schwere. PASI ≤10 ist leicht, >10 ist mittelschwer bis schwer.

    Differentialdiagnose

    Psoriasis vulgaris kann andere entzündliche Hauterkrankungen imitieren oder mit diesen überlappen. Bei der Differentialdiagnose sollte Folgendes berücksichtigt werden:

    • Lichen planus;
    • Atopische Dermatitis;
    • Chronisches Ekzem;
    • Pityriasis rubra pilaris;
    • Pink Lichen (Pityriasis rosea);
    • Seborrhoische Dermatitis (insbesondere auf der Kopfhaut);
    • Arzneimittelinduzierte Dermatosen (z. B. Lithium- oder Malariamedikamenten);
    • Kutanes T-Zell-Lymphom (frühes Mycosis fungoides);
    • Ichthyose, insbesondere bei großflächiger Schuppung.

    Behandlung

    Das Hauptziel der Psoriasis-Behandlung ist die Kontrolle der Symptome, die Verringerung der Entzündung, die Normalisierung des Keratinozytenumsatzes und die Verbesserung der Lebensqualität des Patienten. Die Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Hautbeteiligung, der Schwere der Symptome und dem Vorliegen von Begleiterkrankungen.

    Topische Therapie (PASI ≤10):

    • Keratolytika: Harnstoff, Salicylsäure und Milchsäure zur Entfernung von Schuppen;
    • Topische Kortikosteroide: Je nach Lokalisation in geringer bis hoher Wirkstärke;
    • Vitamin-D-Analoga (z. B. Calcipotriol): Normalisierung der epidermalen Proliferation;
    • Calcineurin-Inhibitoren: Nützlich an empfindlichen Stellen (Gesicht, Leistengegend);
    • Topische Retinoide: Tazaroten zur Reduzierung von Plaques.

    Systemische und fortgeschrittene Therapie (PASI >10 oder refraktäre Fälle):

    • Orale Retinoide: Acitretin;
    • Immunsuppressiva: Methotrexat, Cyclosporin;
    • Fumarsäureester;
    • Biologische Wirkstoffe: Gezielte Therapien wie TNF-α-Hemmer (Adalimumab, Etanercept), IL-12/23-Hemmer (Ustekinumab), IL-17-Hemmer (Secukinumab), PDE-4-Hemmer (Apremilast);
    • Phototherapie: Schmalband-UVB- oder PUVA-Therapie bei mittelschweren Fällen.

    Komplikationen

    Obwohl Psoriasis vulgaris nicht lebensbedrohlich ist, kann sie mit zahlreichen systemischen Komplikationen einhergehen, insbesondere bei schwerer und langjähriger Erkrankung:

    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, ischämische Herzerkrankungen und Schlaganfall;
    • Metabolisches Syndrom: Adipositas, Insulinresistenz und Dyslipidämie treten bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis häufiger auf;
    • Psoriasis-Arthritis: Gelenkschmerzen, Schwellungen und fortschreitende Schäden in bis zu 30 % der Fälle;
    • Psychosoziale Auswirkungen: Depressionen, Angstzustände, soziale Isolation aufgrund sichtbarer Hautläsionen und der Chronizität der Erkrankung.

    Prävention und Empfehlungen zur Lebensweise

    Psoriasis kann aufgrund ihrer genetischen Ursachen nicht vollständig verhindert werden, aber die Häufigkeit und Schwere der Schübe können durch eine Änderung der Lebensweise und der Umweltbedingungen verringert werden:

    • Vermeiden Sie bekannte Auslöser (Infektionen, Traumata, Rauchen, Stress, Alkohol).
    • Verwenden Sie täglich Emollientien, um die Hautfeuchtigkeit und die Barrierefunktion der Haut aufrechtzuerhalten.
    • Schützen Sie die Haut vor Verletzungen (Köbner-Phänomen).
    • Achten Sie bei einer langfristigen systemischen Therapie auf Nebenwirkungen.
    • Behandeln Sie Begleiterkrankungen, insbesondere kardiovaskuläre und metabolische Risikofaktoren.
    • Lassen Sie regelmäßige dermatologische Untersuchungen durchführen, um den Krankheitsverlauf und das Ansprechen auf die Behandlung zu überwachen.

    Fazit

    Psoriasis vulgaris ist eine häufige, chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit erheblichen Auswirkungen auf das körperliche und emotionale Wohlbefinden der Patienten. Obwohl sie derzeit nicht heilbar ist, ermöglichen Fortschritte bei topischen, systemischen und biologischen Therapien eine wirksame Symptomkontrolle und Verbesserung der Lebensqualität.

    Eine frühzeitige Diagnose, eine personalisierte Behandlung und die Aufklärung der Patienten bleiben wesentliche Bestandteile einer umfassenden Versorgung von Patienten mit Psoriasis vulgaris.