Weltweite Experten stellen neue Richtlinien für eine erfolgreiche ganzheitliche Hautpflege vor

Warum das wichtig ist

Wenn Sie über eine kosmetische Hautbehandlung nachdenken – sei es eine Lasertherapie, Injektionen oder chemische Peelings – haben Sie sich sicher schon gefragt, welche Lotionen oder Seren Sie davor und danach verwenden sollten. Eine Gruppe internationaler Hautexpertinnen und -experten hat kürzlich praktische Empfehlungen zusammengestellt, die Ärztinnen und Ärzten helfen sollen, Hautpflegeprodukte auszuwählen, die die Heilung unterstützen, Irritationen verringern und das kosmetische Ergebnis verbessern können.

Eine kurze, verständliche Zusammenfassung

Die Expertinnen und Experten haben viele gängige Wirkstoffe in Cremes und Seren geprüft und sich darauf geeinigt, welche davon in der Regel vor, während und nach verschiedenen ästhetischen Behandlungen sicher angewendet werden können. Außerdem haben sie Inhaltsstoffe benannt, die rund um den Behandlungstermin besser vermieden werden sollten, weil sie die Haut reizen oder das Risiko für Komplikationen wie Rötungen oder dunkle Flecken erhöhen können. Die Empfehlungen sollen Ärztinnen und Ärzten helfen, die Hautpflege individuell auf die jeweilige Behandlung und den Hauttyp der Patientin oder des Patienten abzustimmen.

Was bedeutet „integrierte Hautpflege“ (Integrated Skincare, ISC)?

Integrierte Hautpflege beschreibt die Kombination von klinisch geprüften Hautpflegeprodukten – etwa Feuchtigkeitscremes, Barriereschutz- und Reparaturcremes sowie topischen Antioxidantien – mit medizinischen ästhetischen Behandlungen. Ziel ist es, die Haut optimal vorzubereiten, die Hautbarriere nach der Behandlung zu schützen und zu reparieren sowie langfristig bessere Ergebnisse zu erzielen.

Wie die Empfehlungen entstanden sind

Ein internationales Expertengremium mit 14 Fachleuten aus 10 Ländern hat die Studienlage geprüft und mithilfe eines vereinfachten Delphi-Verfahrens einen Konsens erarbeitet. Dabei wurden 44 aktive Wirkstoffe in vier verschiedenen Behandlungskategorien bewertet:

  • Behandlungen, die gezielt Hautschichten entfernen (ablativer, energiegestützter Eingriff).
  • Behandlungen mit Energie, die die Hautschichten nicht entfernen (nicht-ablativer, energiegestützter Eingriff).
  • Behandlungen, die die Hautbarriere nicht beeinträchtigen (nicht-energiegestützt, ohne Barriereverletzung).
  • Behandlungen, die die Hautbarriere ohne Energiegeräte stören (nicht-energiegestützt mit Barriereverletzung).

Die Empfehlungen beziehen sich auf vier Phasen der Pflege: die Vorbereitung vor der Behandlung, den Behandlungstag selbst, die kurzfristige Nachsorge und die Nachsorge ab mindestens einer Woche nach dem Eingriff. Grundlage waren 68 klinische Studien aus den Jahren 2003 bis 2025, darunter 46 randomisierte kontrollierte Studien. Etwa zwei Drittel dieser Studien schlossen Menschen mit dunkleren Hauttypen ein – ein wichtiger Punkt, da dunklere Haut ein höheres Risiko für postinflammatorische Hyperpigmentierung (dunkle Flecken) nach Behandlungen hat (Quelle: Bjerring et al., J Cosmet Dermatol).

Wirkstoffe, die allgemein als hilfreich gelten

Die Expertengruppe identifizierte mehrere Wirkstoffe, die bei vielen Behandlungen und zu verschiedenen Zeitpunkten meist gut geeignet sind. Sie unterstützen die Hautbarriere, beruhigen die Haut und fördern die Feuchtigkeit:

  • Ceramide und Cholesterin: Lipide, die helfen, die Hautbarriere zu reparieren und zu schützen.
  • Hyaluronsäure: spendet Feuchtigkeit und kann während der Heilung für mehr Komfort sorgen; bestimmte niedrigmolekulare Formen dringen tiefer ein und fördern die Wundheilung, könnten aber nach intensiveren Resurfacing-Behandlungen die Entzündung verstärken.
  • Niacinamid: beruhigt die Haut und unterstützt die Barrierefunktion.
  • Peptide: fördern langfristig die Hautgesundheit und -reparatur.
  • Panthenol und Alpha-Bisabolol: häufig in beruhigenden Pflegeprodukten enthalten.
  • Vitamin C: wurde für viele Behandlungen und Phasen hoch bewertet, ist aber bei der Vorbereitung auf einige risikoarme Eingriffe ohne Barriereverletzung nicht empfohlen.

Besonders Ceramide und Hyaluronsäure wurden als hilfreich während der Behandlung selbst und in der frühen Nachsorge hervorgehoben, da sie die Hautbarriere stärken und Irritationen lindern (Quelle: Bjerring et al., J Cosmet Dermatol).

Wirkstoffe für die Vorbereitung und langfristige Nachsorge

Einige Wirkstoffe eignen sich gut, um die Haut vor einer Behandlung vorzubereiten und später für eine anhaltende Hautverbesserung weiter angewendet zu werden. Die Expertengruppe empfiehlt insbesondere:

  • Retinoide (Vitamin-A-Derivate): fördern vor und nach der Behandlung die Kollagenbildung und den Zellumsatz, können aber während der akuten Heilungsphase reizen und sollten deshalb rund um den Behandlungstag meist vermieden werden.
  • Ferulasäure: ein Antioxidans, das in der Vorbereitung und bei der langfristigen Nachsorge empfohlen wird.

Wirkstoffe, die am Behandlungstag (und manchmal in der ersten Woche) vermieden werden sollten

In der unmittelbaren Heilungsphase stehen Sicherheit und Verträglichkeit an erster Stelle. Das Expertengremium war sich einig, dass bestimmte Wirkstoffe am Behandlungstag bei allen Behandlungsarten ungeeignet sind, da sie Irritationen oder Entzündungen auslösen können. Dazu gehören:

  • Azelainsäure
  • Benzoylperoxid
  • Cysteaminsäure
  • Glykolsäure
  • Hydrochinon
  • Laktat (Milchsäure)
  • Retinoide
  • Salicylsäure

In vielen Fällen wird auch empfohlen, diese Wirkstoffe in der ersten Woche nach der Behandlung zu meiden. Retinoide sind ein gutes Beispiel für einen Wirkstoff, der langfristig hilfreich sein kann, aber in der akuten Heilungsphase wegen seines Reizpotenzials ungeeignet ist (Quelle: Bjerring et al., J Cosmet Dermatol).

Besondere Vorsicht bei dunkleren Hauttypen

Menschen mit dunklerer Haut neigen stärker zu postinflammatorischer Hyperpigmentierung (PIH). Das bedeutet, dass Behandlungen oder Wirkstoffe, die die Haut schädigen oder Entzündungen verursachen, dunkle Flecken begünstigen können. Das Expertengremium warnt davor, Hydrochinon und starke Peelingsäuren bei diesen Patientinnen und Patienten vorsichtig einzusetzen. Die Hautpflege sollte individuell angepasst werden, um das Risiko für PIH zu minimieren (Quelle: Bjerring et al., J Cosmet Dermatol).

Wirkstoffe, bei denen noch mehr Forschung nötig ist

Nicht alle Wirkstoffe konnten eindeutig empfohlen werden. Für manche Kategorien, etwa viele pflanzliche Extrakte, topische Exosomen und Wachstumsfaktorprodukte, gab es keinen Konsens. Gründe dafür sind unter anderem uneinheitliche Produktqualität, unterschiedliche Extraktionsverfahren, unklare Reinheit und begrenzte oder widersprüchliche klinische Daten. Erste Studien zeigen zwar mögliche Vorteile, doch bevor diese Wirkstoffe routinemäßig empfohlen werden können, sind weitere hochwertige Untersuchungen nötig (Quelle: Bjerring et al., J Cosmet Dermatol).

Wie Ärztinnen und Ärzte diese Empfehlungen nutzen können

Wichtig ist, dass die Hautpflege rund um ästhetische Behandlungen auf die Art des Eingriffs, das Ausmaß der Hautbarrierebeeinträchtigung, den Zeitpunkt der Anwendung und die individuellen Risikofaktoren abgestimmt wird. In der ersten Woche nach einer Behandlung stehen Sicherheit und das Vermeiden von Irritationen im Vordergrund. Wirkstoffe, die die Haut verjüngen sollen, sind meist vor der Behandlung und in der langfristigen Nachsorge sinnvoll.

Diese Empfehlungen sollen als Gesprächsgrundlage zwischen Ihnen und Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt dienen. Ihre Behandlerin oder Ihr Behandler kann Ihnen helfen, passende Produkte und Anwendungspläne für Ihre Behandlung und Ihren Hauttyp auszuwählen.

Veränderungen Ihrer Haut beobachten

Wenn Sie eine Behandlung planen, kann es hilfreich sein, Fotos zu machen oder ein einfaches Tagebuch zu führen, in dem Sie festhalten, wie Ihre Haut aussieht und sich anfühlt. So können Sie und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Veränderungen leichter erkennen und besser entscheiden, ob eine Nachsorgeuntersuchung nötig ist.

Wann Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen sollten

Wenden Sie sich umgehend an Ihre Behandlerin oder Ihren Behandler, wenn Sie zunehmende Schmerzen, sich ausbreitende Rötungen, Schwellungen, eitrigen Ausfluss, Fieber, eine schnelle Verdunkelung der behandelten Hautstellen oder neue beziehungsweise sich verändernde Hautläsionen bemerken. Das können Anzeichen für eine Infektion oder andere Komplikationen sein, die ärztliche Behandlung erfordern.

Haftungsausschluss

Dieser Artikel fasst die Empfehlungen eines Expertengremiums sowie die zugrundeliegenden Studien zusammen. Er dient ausschließlich zur Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Entscheidungen zu Behandlungen sollten stets mit einer qualifizierten Ärztin oder einem qualifizierten Arzt besprochen werden, die oder der Ihre Krankengeschichte und die Details Ihrer geplanten Behandlung kennt.

Quellen

  1. Bjerring P, Draelos ZD, Fabi SG, et al. International Expert Consensus on Integrated Skincare Active Ingredients for Pretreatment and Posttreatment Use With Medical Aesthetic Procedures to Enhance Skin Benefits. J Cosmet Dermatol. doi:10.1111/jocd.70880 (Quelle: Bjerring et al., J Cosmet Dermatol)
  2. Fabi S, Boen M, Weinstein Velez M, Woodward JA, Austin AH, Dayan S. Expert Roundtable on Skin Care Integration After Aesthetic Procedures: Consensus Recommendations. J Drugs Dermatol. doi:10.36849/JDD.7999 (Quelle: Fabi et al., J Drugs Dermatol)
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