Fortschritte bei chronischer spontaner Urtikaria: Biologika und gezielte Behandlung

Neue Wege bei chronischer Nesselsucht: Was Sie wissen sollten

Wenn Sie über Wochen oder Monate immer wieder juckende, rote Quaddeln bekommen, könnte es sich um chronische spontane Urtikaria handeln, kurz CSU genannt. Dabei treten die Nesselsucht-Schübe ohne erkennbaren Auslöser auf und halten mindestens sechs Wochen an. Das kann sehr belastend sein, unangenehm jucken und manchmal den Schlaf, die Arbeit oder die Stimmung beeinträchtigen.

In letzter Zeit hat sich die Behandlung von rein symptomatischer Linderung hin zu Medikamenten entwickelt, die gezielt die Immunprozesse hinter der CSU beeinflussen. Dieser Artikel fasst zusammen, was der Dermatologe Nicholas Brownstone, MD, zu aktuellen Therapien und zukünftigen Möglichkeiten berichtet hat. (Quelle: Interview mit Nicholas Brownstone, MD)

Kurze Zusammenfassung

Antihistaminika helfen weiterhin gegen den Juckreiz, lindern aber vor allem die Symptome. Neuere Medikamente setzen an den Teilen des Immunsystems an, die CSU antreiben. Einige davon sind bereits zugelassen oder werden noch erforscht. In Zukunft könnten Marker im Blut oder in den Zellen helfen, die beste Behandlung für jeden Einzelnen zu finden. (Quelle: Interview mit Nicholas Brownstone, MD)

Wie äußert sich die Erkrankung normalerweise?

CSU zeigt sich meist durch plötzlich auftretende, erhabene und juckende Quaddeln, die nach ein bis zwei Tagen wieder verschwinden – doch es kommen ständig neue hinzu. Manche Betroffene haben zusätzlich Schwellungen unter der Haut, die man Angioödem nennt. Der Juckreiz und die sichtbaren Hautveränderungen können den Schlaf, das soziale Leben und die psychische Gesundheit beeinträchtigen.

Wie sich die Behandlung verändert hat

Viele Jahre lang waren Antihistaminika die erste Wahl. Sie blockieren die Wirkung von Histamin, einem Stoff, der Juckreiz und Schwellungen verursacht. Antihistaminika helfen gut gegen den Juckreiz, bekämpfen aber vor allem die Symptome und nicht die Ursache der CSU. Manche Menschen reagieren auf bestimmte Antihistaminika mit Müdigkeit. (Quelle: Interview mit Nicholas Brownstone, MD)

Da die Forschung inzwischen besser versteht, wie das Immunsystem CSU auslöst, gibt es Medikamente, die gezielt bestimmte Teile der Immunantwort hemmen. Diese gezielten Therapien greifen den zugrundeliegenden Prozess anstatt nur den Juckreiz zu lindern.

Von der FDA zugelassene gezielte Therapien

Nach Angaben von Brownstone sind aktuell drei Medikamente von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) für CSU zugelassen:

  • Omalizumab — wirkt, indem es die Menge an freiem IgE reduziert, einem Antikörper, der allergieähnliche Reaktionen auslösen und Nesselsucht fördern kann. (Quelle: Interview mit Nicholas Brownstone, MD)
  • Dupilumab — blockiert zwei Botenstoffe des Immunsystems, Interleukin-4 und Interleukin-13 (IL-4 und IL-13), die bei bestimmten Entzündungsreaktionen eine Rolle spielen. (Quelle: Interview mit Nicholas Brownstone, MD)
  • Remibrutinib — gehört zu den sogenannten Bruton-Tyrosinkinase-(BTK)-Inhibitoren. Es kann die Aktivität von Immunzellen verringern, die an der Urtikaria beteiligt sind. Erste Erfahrungen zeigen, dass manche Betroffene schon nach ein bis zwei Wochen eine Besserung spüren. (Quelle: Interview mit Nicholas Brownstone, MD)

Diese Medikamente wirken an unterschiedlichen Stellen des Immunsystems und bieten Ärztinnen und Ärzten mehr Möglichkeiten, wenn Antihistaminika nicht ausreichen. Die Sicherheitsprofile sind insgesamt gut, doch die Wahl der Behandlung und die Überwachung sollten immer mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprochen werden. (Quelle: Interview mit Nicholas Brownstone, MD)

Was gerade erforscht wird

Wissenschaftler testen weitere Therapien, die auf Immunwege abzielen, die mit CSU zusammenhängen. Dazu gehören zusätzliche BTK-Inhibitoren und Medikamente, die auf folgende Ziele gerichtet sind:

  • KIT (ein Rezeptor, der an der Zellkommunikation beteiligt ist)
  • TSLP (thymisches stromales Lymphopoietin, ein Molekül, das Entzündungen auslösen kann)
  • MRGPRX2 (ein Rezeptor auf bestimmten Hautzellen, der möglicherweise nicht-allergische Nesselsucht verursacht)

Diese neuen Ansätze könnten Menschen helfen, die mit den bisherigen Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichend Linderung finden. (Quelle: Interview mit Nicholas Brownstone, MD)

Auf dem Weg zu individuellerer Behandlung

Da das Immunsystem bei CSU von Person zu Person unterschiedlich reagieren kann, untersuchen Forscher die Möglichkeit, Biomarker zu nutzen. Biomarker sind messbare Hinweise, zum Beispiel im Blut, die zeigen könnten, welche Immunwege bei einer Person besonders aktiv sind. So könnten Ärztinnen und Ärzte in Zukunft die Therapie auswählen, die für den Einzelnen am besten passt. (Quelle: Interview mit Nicholas Brownstone, MD)

Wie Ärztinnen und Ärzte die Art der Nesselsucht bestimmen

Für die Behandlung ist es wichtig, zwischen verschiedenen Formen der Nesselsucht zu unterscheiden:

  • akute Urtikaria (kurzfristige Quaddeln),
  • chronische spontane Urtikaria (CSU) und
  • chronische induzierbare Urtikaria (Nesselsucht, die durch Faktoren wie Druck, Kälte oder Sport ausgelöst wird).

Eine sorgfältige Anamnese – also Fragen dazu, wann die Quaddeln auftreten, wie lange sie bleiben und was sie auslöst – hilft dabei, die richtige Diagnose zu stellen. (Quelle: Interview mit Nicholas Brownstone, MD)

Fragen Sie nicht nur nach dem Ausschlag, sondern auch nach der Lebensqualität

Brownstone empfiehlt, dass Ärztinnen und Ärzte regelmäßig danach fragen, ob die Nesselsucht den Schlaf, die Arbeit oder die psychische Gesundheit beeinträchtigt, zum Beispiel durch Angst oder Depression. Solche einfachen Fragen können zeigen, wie stark die Belastung wirklich ist und ob eine umfassendere Behandlung nötig ist. (Quelle: Interview mit Nicholas Brownstone, MD)

Praktischer Tipp zum Dokumentieren der Nesselsucht

Wenn Ihre Quaddeln immer wieder kommen und gehen, kann es hilfreich sein, bei einem Schub ein Foto zu machen. So lässt sich festhalten, wie lange die Quaddeln dauern, wie stark sie sind und ob die Behandlung wirkt. Das Foto kann auch bei Arztbesuchen nützlich sein.

Wann Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen sollten

Wenn die Nesselsucht länger als sechs Wochen anhält, immer wiederkehrt, Ihren Schlaf oder Alltag stört oder mit Schwellungen im Gesicht oder Rachen einhergeht, sollten Sie eine Ärztin oder einen Arzt kontaktieren. Bei Atemnot, Schwindel oder anderen Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion suchen Sie bitte sofort medizinische Hilfe.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel fasst Informationen zusammen, die Nicholas Brownstone, MD, zu aktuellen und neuen Behandlungsmöglichkeiten bei chronischer spontaner Urtikaria gegeben hat. Er dient nur zur allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Entscheidungen zur Behandlung sollten immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt getroffen werden.

Quellen

  1. Interview mit Nicholas Brownstone, MD, Facharzt für Dermatologie am Mount Sinai (Informationen zu aktuellen und neuen Therapien bei chronischer spontaner Urtikaria).
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