Monat des Bewusstseins für Haarausfall: Die wirklichen Ursachen erkennen für eine erfolgreiche Behandlung
Warum Haarausfall Aufmerksamkeit verdient
Zum Start des Haarausfall-Bewusstseinsmonats ist es ein guter Zeitpunkt, sich daran zu erinnern, dass Haarausfall meist ein Zeichen dafür ist, dass im Körper etwas nicht stimmt – und kein einheitliches Problem, das bei allen gleich ist. Alexandra Richmond, MD, Gründerin und Inhaberin von Dermhaus in Charleston, South Carolina, betont, dass die Behandlung von Haarausfall immer damit beginnt, die Ursache zu finden. (Quelle: Alexandra Richmond, MD, Interview)
Was Ihre Ärztin/Ihr Arzt wissen möchte
Um herauszufinden, warum die Haare ausfallen, wird Ihre Ärztin/Ihr Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese erheben. Das hilft dabei, die Ursache zu unterscheiden und eine Behandlung zu planen, die zu Ihrer Situation passt. Wichtige Fragen können sein:
- Wie der Haarausfall aussieht und wo er auftritt (Muster und Stellen).
- Wann der Haarausfall begonnen hat und wie schnell er voranschreitet.
- Ob Begleitsymptome wie Juckreiz oder Rötungen vorhanden sind.
- Ob es in der Familie Haarausfall gibt.
- Welche Medikamente und Nahrungsergänzungen Sie aktuell einnehmen.
- Ob sich Ihre Hormone kürzlich verändert haben, zum Beispiel durch Schwangerschaft oder Wechseljahre.
- Ob Sie kürzlich Stress, Krankheit oder größere Veränderungen im Lebensstil erlebt haben.
- Wie Ihre Ernährung und Ihr Nährstoffstatus sind.
- Wie Sie Ihre Haare pflegen (Produkte, Styling, straffe Frisuren).
Haarausfall als Symptom verstehen
„Ich sehe Haarausfall eher als Symptom, und wir müssen einen passenden Behandlungsplan entwickeln“, erklärt Richmond. Das wichtigste Ziel ist, herauszufinden, warum die Haare ausfallen. Sobald die Ursache bekannt ist, kann die Ärztin/der Arzt eine Behandlung auswählen, die am ehesten hilft. (Quelle: Alexandra Richmond, MD, Interview)
Vorsicht bei Biotin
Viele greifen bei dünner werdendem Haar zu Biotin-Präparaten, doch Richmond rät davon ab, regelmäßig hohe Dosen einzunehmen. Ein Biotinmangel ist sehr selten, und große Mengen Biotin können gängige Laborwerte verfälschen – etwa Schilddrüsenwerte oder Troponin (ein Herztest). Da Schilddrüsenuntersuchungen oft Teil der Haarausfall-Diagnostik sind und ältere Menschen genaue Herztests brauchen, können unnötige Biotinpräparate zu verwirrenden oder falschen Ergebnissen führen.
Narbenbildender versus nicht-narbenbildender Haarausfall
Ärztinnen und Ärzte unterscheiden zwei Hauptarten von Haarausfall, weil sich Prognose und Dringlichkeit unterscheiden:
- Nicht-narbenbildender Haarausfall: Die Haarfollikel sind noch intakt. Wird die Ursache früh erkannt und behandelt – zum Beispiel ein Nährstoffmangel behoben oder eine Entzündung reduziert – können die Haare oft wieder nachwachsen.
- Narbenbildender Haarausfall: Die Haarfollikel sind dauerhaft geschädigt und durch Narbengewebe ersetzt. In solchen Fällen wachsen die verlorenen Haare nicht mehr nach, weshalb eine frühe Diagnose und Behandlung besonders wichtig sind, um das verbliebene Haar zu schützen.
Wie Ärztinnen und Ärzte die Kopfhaut untersuchen
Ein systematisches Vorgehen bei der Untersuchung hilft, wichtige Hinweise nicht zu übersehen. Typische Untersuchungen sind:
- Eine genaue Sichtkontrolle von Kopfhaut und Haaren.
- Dermoskopie: Ein handliches Vergrößerungsgerät, mit dem Muster von Haarausfall und Entzündungen sichtbar gemacht werden.
- Ein Haartest, bei dem die Ärztin/der Arzt vorsichtig kleine Haarbüschel zieht, um zu sehen, wie viele Haare ausfallen.
In manchen Fällen ist eine Kopfhautbiopsie nötig – besonders wenn ein narbenbildender Prozess oder eine Entzündung vermutet wird. Richmond entnimmt die Probe meist am Rand eines Bereichs, in dem noch Haare vorhanden sind. So können sowohl betroffene als auch noch gesunde Haarfollikel untersucht werden, um zu verstehen, was unter der Haut passiert. (Quelle: Alexandra Richmond, MD, Interview)
Behandlung ist individuell
Sobald die Ursache bekannt ist, wird die Behandlung auf die Person abgestimmt. Alter, Geschlecht, allgemeine Gesundheit, Schwangerschaftspläne und andere persönliche Faktoren beeinflussen, welche Optionen sinnvoll sind.
Heute gibt es mehr Behandlungsmöglichkeiten als früher, was die individuelle Anpassung erleichtert. Richmond betont, dass mehr Optionen zwar hilfreich sind, aber die richtige Diagnose nicht ersetzen. Die falsche Behandlung für die falsche Ursache kann unwirksam sein oder sogar schaden. (Quelle: Alexandra Richmond, MD, Interview)
Wann Sie eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen sollten
Suchen Sie eine medizinische Fachkraft auf, wenn Sie Folgendes bemerken:
- Plötzlicher oder sehr schneller Haarausfall.
- Fleckiger Haarausfall oder deutlich dünner werdende Stellen.
- Kopfhautsymptome wie Schmerzen, Blutungen, Eiter oder starke Rötungen.
- Haarausfall zusammen mit anderen Symptomen wie unerklärlichem Gewichtsverlust, Haarbruch oder Anzeichen hormoneller Veränderungen.
Wenn Sie unsicher sind, ist es sinnvoll, eine professionelle Meinung einzuholen. Eine frühe Abklärung kann helfen, Haare zu erhalten, wenn die Ursache behandelbar ist, und sorgt dafür, dass Sie auf dem richtigen Weg sind.
Veränderungen sichtbar machen
Wenn Sie beobachten möchten, wie sich Ihr Haar oder Ihre Kopfhaut verändert, können einfache Fotos helfen. Achten Sie darauf, sie bei ähnlichem Licht und aus den gleichen Blickwinkeln aufzunehmen. So können Sie und Ihre Ärztin/Ihr Arzt Veränderungen besser erkennen – das macht Termine oft effektiver.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient nur zur Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Behandlungsentscheidungen und Untersuchungen sollten immer mit einer Ärztin/einem Arzt oder Dermatologen besprochen werden. Suchen Sie umgehend medizinische Hilfe, wenn Sie Schmerzen, Anzeichen einer Infektion, plötzlichen oder großflächigen Haarausfall oder andere besorgniserregende Symptome bemerken.
Quellen
- Interview mit Alexandra Richmond, MD, Gründerin und Inhaberin von Dermhaus, Charleston, South Carolina.