Trends in den sozialen Medien bei Kosmetik stehen im Zusammenhang mit Schäden an der Hautbarriere und verzögerter Akneheilung
Warum das wichtig ist
Viele Menschen suchen in sozialen Medien nach Tipps und Produkten für die Hautpflege. Eine aktuelle Studie zeigt, dass solche Käufe, die durch soziale Medien angeregt werden, nicht ohne Risiko sind: Sie stehen im Zusammenhang mit Schäden an der Hautbarriere, Verzögerungen beim Arztbesuch und einer Verschlechterung der Akne bei Betroffenen. Das ist wichtig, weil die Produkte, die Sie wählen, und die Quellen, aus denen Sie Ihre Informationen beziehen, beeinflussen können, wie schnell Sie Hilfe bekommen und wie Ihre Haut darauf reagiert.
Was die Studie untersucht hat
Die Studie war eine ärztlich begutachtete Querschnittsuntersuchung. Das bedeutet, dass die Forscher zu einem bestimmten Zeitpunkt eine „Momentaufnahme“ von Menschen mit Akne gemacht und Zusammenhänge zwischen ihren Gewohnheiten und dem Zustand ihrer Haut untersucht haben. Untersucht wurden 408 Patientinnen und Patienten im Alter von 12 bis 45 Jahren, die eine Hautarztpraxis aufsuchten. Das Durchschnittsalter lag bei 20,9 Jahren, etwa 77,5 % waren weiblich.
Ein Dermatologe bewertete bei jeder Person den Schweregrad der Akne und prüfte, ob eine Schädigung der Hautbarriere vorlag. (Die Hautbarriere ist die äußerste Hautschicht, die hilft, Feuchtigkeit zu speichern und Reizstoffe fernzuhalten.) Die Teilnehmenden füllten außerdem Fragebögen aus, in denen sie Angaben zu ihrer Nutzung sozialer Medien machten, ob sie Produkte nach dem Sehen in sozialen Medien gekauft hatten, welche Accounts sie verfolgten und ob Ratschläge aus sozialen Medien ihren Arztbesuch verzögert hatten.
(Quelle: Association of Social Media-Driven Cosmetic Consumption With Skin Barrier Damage, Delayed Medical Consultation, and Disease Severity in Acne Vulgaris)
Wichtigste Ergebnisse einfach erklärt
Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.
- Rund 28,2 % der Befragten gaben an, nach dem Sehen eines Produkts in sozialen Medien ein Hautpflegeprodukt gekauft zu haben.
- Etwa 34,1 % sagten, dass Empfehlungen aus sozialen Medien sie dazu gebracht hatten, länger mit dem Arztbesuch zu warten.
- Insgesamt zeigten 25,5 % der Gruppe Anzeichen einer geschädigten Hautbarriere.
Kauf über soziale Medien und Hautschäden
Wer Produkte aufgrund von sozialen Medien gekauft hatte, wies deutlich häufiger Schäden an der Hautbarriere auf: 64,3 % dieser Käufer hatten eine geschädigte Hautbarriere, im Vergleich zu nur 10,2 % bei denen, die keine Produkte über soziale Medien gekauft hatten.
Mehr Produkte, höheres Risiko
Die Studie zeigte außerdem, dass die Verwendung von mehr kosmetischen Produkten mit mehr Problemen an der Hautbarriere verbunden war. Schäden traten auf bei:
- 20,4 % derjenigen, die 1 bis 2 Produkte nutzten,
- 64,0 % derjenigen, die 3 bis 5 Produkte verwendeten, und
- 77,8 % derjenigen, die mehr als 5 Produkte anwendeten.
Verzögerte Behandlung und Akne-Schwere
Wer den Arztbesuch hinauszögerte, hatte schlechtere Hautergebnisse. Die Wahrscheinlichkeit für Schäden an der Hautbarriere war bei diesen Personen mehr als sechsmal so hoch (Odds Ratio, OR = 6,65). Mit jeder Stufe, in der mehr Produkte verwendet wurden, stieg das Risiko für Hautschäden ebenfalls (OR = 3,94). Auch der Kauf von Produkten nach dem Sehen in sozialen Medien war ein eigenständiger Risikofaktor (OR = 3,25).
Eine verzögerte Behandlung war außerdem mit schwererer Akne verbunden (OR = 3,03), ebenso wie eine geschädigte Hautbarriere (OR = 2,54). Konkret hatten 41,7 % derjenigen, die Produkte über soziale Medien kauften, schwere Akne, verglichen mit 18,1 % derjenigen, die solche Käufe nicht tätigten.
Welche sozialen Plattformen spielten eine Rolle?
Die Plattform und die Accounts, denen die Menschen folgten, machten einen Unterschied.
Teilnehmende, die TikTok nutzten, kauften häufiger Produkte nach dem Sehen in der App, zögerten den Arztbesuch länger hinaus und hatten schwerere Akne als Instagram-Nutzer. So gaben 58,7 % der TikTok-Nutzer an, nach dem Sehen eines Produkts gekauft zu haben, gegenüber 40,4 % der Instagram-Nutzer. Verzögerte Arztbesuche berichteten 66,7 % der TikTok-Nutzer, aber nur 49,0 % der Instagram-Nutzer. Außerdem hatten TikTok-Nutzer im Durchschnitt einen höheren Akne-Schweregrad als Instagram-Nutzer.
Influencer versus Dermatologen
Wer nur Influencer-Accounts folgte, hatte deutlich häufiger Schäden an der Hautbarriere und schwerere Akne als diejenigen, die nur Dermatologen folgten – obwohl beide Gruppen angaben, etwa gleich viele Hautpflegebegriffe zu kennen. Im Detail:
- Hautbarriereschäden: 53,0 % bei Influencer-Followern, aber nur 8,3 % bei Dermatologen-Followern.
- Schwere Akne: 42,6 % bei Influencer-Followern, 12,2 % bei Dermatologen-Followern.
Die Studie zeigte außerdem, dass das Folgen von Dermatologen offenbar schützend wirkt: Wer Dermatologen folgte, hatte ein geringeres Risiko für Hautbarriereschäden (OR = 0,28).
Das „Wissensparadoxon“
Interessanterweise führte ein größeres Wissen über dermokosmetische Begriffe (also Fachwörter rund um Hautpflegeprodukte und Inhaltsstoffe) nicht zu besseren Hautergebnissen. Menschen, die mehr Begriffe kannten, kauften eher Produkte nach dem Sehen in sozialen Medien, hatten häufiger Hautschäden und zögerten den Arztbesuch eher hinaus. Da die Studie nur eine Momentaufnahme war, lassen sich Zusammenhänge zeigen, aber keine Ursache-Wirkung-Beziehung beweisen.
Was das für Sie bedeuten kann
Wenn Sie mit Akne zu tun haben, kann es einen Unterschied machen, woher Sie Ihre Informationen beziehen und welche Produkte Sie ausprobieren. Häufiges Wechseln zwischen Produkten oder das Auftragen vieler neuer Produkte nach dem Sehen in sozialen Medien kann das Risiko erhöhen, die schützende Hautbarriere zu reizen oder zu schädigen. Solche Schäden können die Behandlung der Akne erschweren.
Es kann hilfreich sein, lizenzierten Dermatologen oder medizinisch fundierten Accounts zu folgen, um verlässliche Tipps zu bekommen und möglicherweise schneller ärztliche Hilfe zu finden. Die Studienautoren schlagen vor, dass verifizierte Gesundheits-Labels und klare, evidenzbasierte Inhalte auf sozialen Medien den Zugang zu guten Ratschlägen erleichtern könnten.
Wann Sie zum Arzt gehen sollten
Sprechen Sie mit einer Hautärztin oder einem Hautarzt beziehungsweise Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, wenn:
- Ihre Akne schmerzhaft ist, sich schnell ausbreitet, blutet oder Anzeichen einer Infektion zeigt.
- Ihre Akne Ihren Alltag, Ihre Stimmung oder Ihr Selbstbewusstsein beeinträchtigt.
- Ihre Haut nach der Anwendung von Produkten stark gerötet, empfindlich, schuppig wird oder neue Reizungen auftreten.
- Hausmittel und frei verkäufliche Produkte nach einigen Wochen keine Besserung bringen.
Am besten besprechen Sie Behandlungsmöglichkeiten mit einer Fachperson, die die richtige Therapie für Ihre Haut empfehlen kann. Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung.
Veränderungen im Blick behalten
Wenn Sie alle ein bis zwei Wochen unter ähnlichen Lichtverhältnissen Fotos von Ihrer Haut machen, können Sie und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt besser erkennen, ob ein Produkt hilft oder die Haut verschlechtert. Notizen darüber, wann Sie neue Produkte begonnen oder Ihre Routine geändert haben, sind bei einem Praxisbesuch ebenfalls nützlich.
Wichtige Einschränkungen
Da es sich um eine Querschnittsstudie handelt, zeigt sie Zusammenhänge, aber keine Ursache-Wirkung-Beziehungen. Die Ergebnisse gelten für die untersuchte Gruppe und geben einen wichtigen Hinweis, sind aber kein endgültiger Beweis.
Quellen
- Association of Social Media-Driven Cosmetic Consumption With Skin Barrier Damage, Delayed Medical Consultation, and Disease Severity in Acne Vulgaris: A Physician-Assessed Cross-Sectional Study. Journal of Cosmetic Dermatology. 7 (2026): e71020. doi:10.1111/jocd.71020
- Acne Information on Instagram: Quality of Content and the Role of Dermatologists on Social Media. Journal of Drugs in Dermatology. doi:10.36849/JDD.6411