Neue AAD-Leitlinien zur atopischen Dermatitis bei Kindern empfehlen Roflumilast-, Ruxolitinib- und Tapinarof-Cremes
Warum das wichtig ist
Leidet Ihr Kind an hartnäckigem Ekzem, bieten neue kinderärztliche Leitlinien mehr Behandlungsmöglichkeiten, die den Einsatz von Kortisoncremes reduzieren können. Die American Academy of Dermatology (AAD) hat ihre erste umfassende Aktualisierung seit über zehn Jahren zur Behandlung der atopischen Dermatitis bei Kindern veröffentlicht. Die atopische Dermatitis, oft einfach Ekzem genannt, führt zu geröteter, juckender und entzündeter Haut und belastet viele Familien. Die neuen Empfehlungen stellen mehrere neuere, nicht steroidale Cremes vor, die Ärztinnen und Ärzte bereits bei Kindern ab 2 Jahren in Betracht ziehen können. (Quelle: Guidelines of care for the management of atopic dermatitis in pediatric patients, Journal of the American Academy of Dermatology, 2026)
Wichtige Erkenntnisse auf einen Blick
Die Leitlinie:
- empfiehlt ausdrücklich drei neuere, nicht steroidale Cremes – Roflumilast, Ruxolitinib und Tapinarof – für Kinder ab 2 Jahren. (Quelle: Guidelines of care for the management of atopic dermatitis in pediatric patients, 2026)
- erinnert daran, dass bewährte Mittel wie Kortisoncremes und topische Calcineurin-Inhibitoren weiterhin sinnvoll sind, aber es jetzt mehr steroidfreie Alternativen gibt, darunter Crisaborole (zugelassen ab 3 Monaten). (Quelle: Guidelines of care for the management of atopic dermatitis in pediatric patients, 2026)
- weist darauf hin, dass sich die neuen Cremes in Wirkungsweise und Nebenwirkungen unterscheiden – die beste Wahl hängt vom Alter, der betroffenen Hautstelle, Sicherheitsbedenken und den Vorlieben der Familie ab. (Quelle: Guidelines of care for the management of atopic dermatitis in pediatric patients, 2026)
Was neu ist in der Leitlinie
Die Empfehlungen basieren auf einer sorgfältigen Auswertung der Studienlage und enthalten 27 konkrete Empfehlungen. Drei neuere Cremes erhielten eine starke, verlässliche Empfehlung für die Anwendung bei Kindern. Das bedeutet, die Autorinnen und Autoren der Leitlinie sind überzeugt, dass die Belege ausreichend sind, um diese Cremes als sinnvolle Erstbehandlung bei entzündeter Haut zu empfehlen. (Quelle: Guidelines of care for the management of atopic dermatitis in pediatric patients, 2026)
Die neuen Cremes im Überblick
Hier eine verständliche Erklärung zu den drei wichtigsten nicht steroidalen Cremes, die in der Leitlinie hervorgehoben werden.
Roflumilast-Creme
Was ist das? Roflumilast ist ein Phosphodiesterase-4 (PDE-4) Hemmer. Einfach gesagt: Es lindert Entzündungen in der Haut. Die Empfehlung stützt sich auf mehrere randomisierte Studien, darunter die pädiatrische Studie INTEGUMENT-PED mit Kindern im Alter von 2 bis 5 Jahren. (Quelle: INTEGUMENT-PED trial)
Wie schnitt es in Studien ab? Die einmal täglich angewendete Roflumilast-Creme zeigte nach 28 Tagen bessere Ergebnisse als eine Placebocreme. Mehr Kinder erreichten eine deutliche Verbesserung der Ekzemsymptome. Die Dosierung lag bei 0,05 % für 2- bis 5-Jährige und 0,15 % für Kinder ab 6 Jahren. (Quelle: INTEGUMENT-PED trial)
Nebenwirkungen: Die berichteten Nebenwirkungen waren meist mild. Einige Kinder hatten leichtes Brennen oder Reizungen an der Anwendungsstelle, insgesamt waren die Nebenwirkungen ähnlich wie bei Placebo. (Quelle: INTEGUMENT-PED trial)
Ruxolitinib-Creme
Was ist das? Ruxolitinib ist ein topischer Januskinase (JAK)-Inhibitor. Er wirkt auf entzündliche Prozesse in der Haut und ist für Kinder ab 2 Jahren zugelassen, deren Ekzem mit anderen Cremes nicht ausreichend kontrolliert werden kann. Die Leitlinie berücksichtigte mehrere Studien, darunter TRuE-AD3, eine Studie mit Kindern von 2 bis 11 Jahren. (Quelle: TRuE-AD3 study)
Wie schnitt es in Studien ab? Ruxolitinib verringerte die Ekzemschwere deutlich und erhöhte die Zahl der Kinder, die von Ärztinnen und Ärzten als „klar“ oder „fast klar“ eingestuft wurden. Eine zusammengefasste Analyse zeigte, dass die Wirkung vergleichbar mit starken Kortisoncremes ist. (Quelle: TRuE-AD3 study; Guidelines of care, 2026)
Sicherheits-Hinweis: Die Creme trägt eine Warnung (Boxed Warning), die von Sicherheitsbedenken bei einem oralen JAK-Medikament (Tofacitinib) stammt. Diese Risiken umfassen schwere Infektionen, bestimmte Krebsarten, Herzprobleme und Blutgerinnsel. Solche Probleme traten in den Studien mit der topischen Ruxolitinib-Creme nicht auf. Da jedoch geringe Mengen des Wirkstoffs über die Haut aufgenommen werden können, empfiehlt die Leitlinie, die Anwendung auf maximal 20 % der Körperoberfläche zu beschränken und die Creme bei Kindern mit Risikofaktoren, die mit den Warnhinweisen zusammenhängen, zu vermeiden. Familien sollten Nutzen und Risiken mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen. (Quelle: Guidelines of care, 2026)
Tapinarof-Creme
Was ist das? Tapinarof wirkt über einen anderen entzündungshemmenden Mechanismus und wurde in den Phase-3-Studien ADORING getestet, an denen auch viele Kinder teilnahmen. (Quelle: ADORING trials)
Wie schnitt es in Studien ab? Von den drei neuen Optionen zeigte Tapinarof die größten Vorteile. Mehr Kinder erreichten eine deutliche Verbesserung der Ekzemsymptome und spürbare Linderung des Juckreizes im Vergleich zu Placebo. (Quelle: ADORING trials)
Nebenwirkungen: Tapinarof wurde häufiger mit Follikulitis (entzündete Haarfollikel) und akneähnlichen Hautveränderungen in Verbindung gebracht. Die Leitlinie empfiehlt, mögliche Nebenwirkungen vor Behandlungsbeginn mit den Familien zu besprechen. (Quelle: ADORING trials; Guidelines of care, 2026)
Unterschiede der Cremes und was das bedeutet
Alle drei Cremes werden stark empfohlen, unterscheiden sich aber in einigen Punkten. Kurz zusammengefasst:
- Roflumilast: einmal täglich auftragen, in Studien kaum Reizungen an der Hautstelle.
- Ruxolitinib: stark entzündungshemmend, Wirkung vergleichbar mit starken Kortisoncremes, aber mit Warnhinweis aus oraler JAK-Medikation und Empfehlung, die behandelte Fläche auf 20 % der Körperoberfläche zu begrenzen. (Quelle: Guidelines of care, 2026)
- Tapinarof: zeigte die größten Vorteile in Studien, kann aber Follikulitis und akneähnliche Hautreaktionen verursachen. (Quelle: ADORING trials)
Da sie unterschiedlich wirken und verschiedene Sicherheitsprofile haben, können Ärztinnen und Ärzte die beste Creme je nach Alter Ihres Kindes, der betroffenen Hautstelle, bisherigen Behandlungen und den Vorlieben der Familie auswählen.
Wie diese Cremes in den Behandlungsplan passen
Die Leitlinie sieht Roflumilast, Ruxolitinib und Tapinarof neben topischen Kortikosteroiden und Calcineurin-Inhibitoren als Erstlinienoptionen für entzündete Hautstellen. Das heißt, sie können früh eingesetzt werden, nicht erst, wenn Kortisoncremes versagt haben. Lichttherapie und systemische Medikamente (Tabletten oder Spritzen, die im ganzen Körper wirken) werden für Kinder empfohlen, deren Ekzem trotz gut eingestellter äußerer Behandlung nicht besser wird. (Quelle: Guidelines of care, 2026)
Sicherheit und Gespräche mit der Familie
Alle drei Cremes zeigten in Studien insgesamt ein gutes Sicherheitsprofil, jede hat aber eigene Nebenwirkungen, die wichtig sind zu besprechen:
- Brennen oder Schmerzen an der Anwendungsstelle traten am häufigsten bei Crisaborole und etwas seltener bei Roflumilast auf. (Quelle: Guidelines of care, 2026)
- Tapinarof war häufiger mit Nebenwirkungen wie Follikulitis und akneähnlichen Hautveränderungen verbunden. (Quelle: ADORING trials)
- Ruxolitinib trägt eine Warnung, die von oralen JAK-Inhibitoren stammt, deshalb empfiehlt die Leitlinie Vorsicht und die Begrenzung der behandelten Hautfläche. (Quelle: Guidelines of care, 2026)
Sprechen Sie mit der Ärztin oder dem Arzt Ihres Kindes über die möglichen Vorteile, Nebenwirkungen und Kontrollmöglichkeiten bei jeder Behandlung, die Sie in Erwägung ziehen.
Ein Wort zur Studienlage
Die Autorinnen und Autoren der Leitlinie fordern weitere direkte Vergleichsstudien zwischen den neuen Cremes und generischen Kortisoncremes sowie Untersuchungen zur Langzeitsicherheit und zu Kosten. Das bedeutet: Die aktuellen Daten unterstützen die Anwendung, aber mehr Forschung würde helfen, besser zu klären, welches Mittel für welches Kind am besten ist. (Quelle: Guidelines of care, 2026)
Wann Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen sollten
Wenden Sie sich an eine Kinderärztin, einen Kinderarzt oder Dermatologen, wenn das Ekzem Ihres Kindes:
- stark ausgeprägt, großflächig oder trotz regelmäßiger Behandlung nicht besser wird,
- blutet, sehr schmerzhaft ist oder Anzeichen einer Infektion zeigt, wie zunehmende Rötung, Wärme, gelbe Krusten oder Eiter,
- den Schlaf stört, den Alltag stark beeinträchtigt oder emotional belastet.
Besprechen Sie neue Behandlungen immer mit einer Ärztin oder einem Arzt, bevor Sie sie anwenden. Dieser Artikel dient nur zur Information und ersetzt keine medizinische Beratung.
Den Überblick über sichtbare Veränderungen behalten
Fotos oder Notizen über den Verlauf können helfen, besser zu erkennen, ob sich ein Ausschlag bessert, ausbreitet oder sich optisch verändert. Ein einfaches Protokoll erleichtert auch Gespräche mit der Ärztin oder dem Arzt und kann helfen, frühzeitig besorgniserregende Veränderungen zu entdecken.
Haftungsausschluss
Dieser Artikel erklärt die neuen Leitlinien und Studienergebnisse in verständlicher Sprache. Er ersetzt keine medizinische Beratung. Wenden Sie sich an die Ärztin oder den Arzt Ihres Kindes oder an einen Dermatologen, um Behandlungsmöglichkeiten zu besprechen, die auf die Situation Ihres Kindes zugeschnitten sind.
Quellen
- Guidelines of care for the management of atopic dermatitis in pediatric patients. Journal of the American Academy of Dermatology. 2026;95(1):121.e1-121.e26. doi:10.1016/j.jaad.2026.02.113. (Quelle: Guidelines of care for the management of atopic dermatitis in pediatric patients, Journal of the American Academy of Dermatology, 2026)
- Eichenfield LF, Serrao R, Prajapati VH, et al. Efficacy and safety of once-daily roflumilast cream 0.05% in pediatric patients aged 2-5 years with mild-to-moderate atopic dermatitis (INTEGUMENT-PED): a phase 3 randomized controlled trial. doi:10.1111/pde.15840. (Quelle: INTEGUMENT-PED trial)
- Eichenfield LF, Stein Gold LF, Simpson EL, et al. Efficacy and safety of ruxolitinib cream in children aged 2 to 11 years with atopic dermatitis: results from TRuE-AD3, a phase 3, randomized double-blind study. doi:10.1016/j.jaad.2025.05.1385. (Quelle: TRuE-AD3 study)
- Silverberg JI, Eichenfield LF, Hebert AA, et al. Tapinarof cream 1% once daily: significant efficacy in the treatment of moderate to severe atopic dermatitis in adults and children down to 2 years of age in the pivotal phase 3 ADORING trials. doi:10.1016/j.jaad.2024.05.023. (Quelle: ADORING trials)