Wie Hautärzte den Sonnenschutz individuell auf verschiedene Hautprobleme anpassen
Warum das wichtig ist
Der Mai ist der Monat der Hautkrebsaufklärung – eine gute Gelegenheit, über Sonnenschutz nachzudenken. Für manche Menschen ist das Thema aber komplizierter als nur „Sonnencreme benutzen“. Maryanne Makredes Senna, MD, Fachärztin für Dermatologie und Spezialistin für Haarausfall am Lahey Hospital and Medical Center sowie Assistenzprofessorin an der Harvard Medical School, spricht immer wieder über zwei wichtige Punkte mit ihren Patientinnen und Patienten. Zum einen geht es um eine medizinische Frage zu Sonnencremes und einer bestimmten Form von Haarausfall. Zum anderen darum, wie Ärztinnen und Ärzte mit Menschen umgehen, die Sonnenschutz meiden.
Mineralische oder chemische Sonnencreme bei frontal fibrosierender Alopezie
Einige Patientinnen von Dr. Senna leiden an frontal fibrosierender Alopezie (kurz FFA). Dabei handelt es sich um eine narbige Form des Haarausfalls, die meist den vorderen Haaransatz betrifft. FFA schreitet fort, kann belastend sein und macht die Wahl der Sonnencreme für Betroffene besonders wichtig.
Ob es einen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Sonnencremes und FFA gibt, ist bislang nicht geklärt. Die Forschung läuft noch, und es gibt keine eindeutigen Ergebnisse. Deshalb empfiehlt Dr. Senna einen vorsichtigen Umgang: Patientinnen und Patienten mit FFA sollten vorerst mineralische Sonnencremes verwenden. Diese enthalten meist Zinkoxid oder Titandioxid und wirken, indem sie auf der Hautoberfläche liegen und UV-Strahlen reflektieren. Dieser Tipp basiert auf Vorsicht und nicht auf gesicherten Beweisen. (Quelle: Maryanne Makredes Senna, MD, Interview; siehe auch die Übersicht von Robinson und Kollegen.)
Trotz der Unsicherheit rät Dr. Senna allen Patientinnen und Patienten, irgendeine Form von Sonnenschutz zu nutzen. Welcher genau, lässt sich am besten mit einer Dermatologin oder einem Dermatologen besprechen – besonders bei FFA oder anderen Hautproblemen. (Quelle: Maryanne Makredes Senna, MD, Interview)
Auf die Patientinnen und Patienten eingehen
Über die Frage der Sonnencreme hinaus macht sich Dr. Senna Sorgen, wie Ärztinnen und Ärzte reagieren, wenn Menschen den Sonnenschutz nicht einhalten. Sie hat erlebt, dass Menschen, die gerne draußen sind, Termine absagen, weil sie sich jedes Mal verurteilt oder belehrt fühlten, wenn sie nach ihrer Sonnencreme gefragt wurden.
Ihr Rat ist klar: Wiederholte Warnungen, die nichts ändern, können Menschen eher abschrecken. Stattdessen sollte man nachfragen, warum jemand keine Sonnencreme benutzt. Liegt es am Geruch, am fettigen Gefühl, am weißen Film, am Preis oder an etwas anderem? Wenn man die Hürde kennt, lassen sich praktische Alternativen vorschlagen.
Heutzutage gibt es viele verschiedene Sonnencremes. Manche fühlen sich leicht an, andere sind getönt, damit kein weißer Schleier entsteht, und wieder andere sind speziell für empfindliche oder fettige Haut entwickelt. Passende Optionen anzubieten, kann wirklich helfen.
Wenn sich trotzdem nichts ändert, betont Dr. Senna, dass das Wichtigste ist, die Patientinnen und Patienten weiterhin zu begleiten. Wer keinen Sonnenschutz nutzt und Kontrolltermine auslässt, läuft Gefahr, frühe Anzeichen von Hautproblemen zu übersehen. Den Kontakt zu diesen Menschen zu verlieren, ist oft schädlicher als sie weiter zu motivieren, besser auf ihre Haut zu achten. (Quelle: Maryanne Makredes Senna, MD, Interview)
Was das für Sie bedeutet
Wenn Sie sich Sorgen wegen Sonnencreme und Haarausfall machen, sprechen Sie mit Ihrer Dermatologin oder Ihrem Dermatologen. Haben Sie FFA oder eine andere Hauterkrankung, fragen Sie, ob mineralische Sonnencremes für Sie aktuell empfohlen werden. Wenn Sie Sonnencreme nicht mögen, sagen Sie offen, was Ihnen unangenehm ist – so kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Alternativen vorschlagen, die besser zu Ihnen passen.
Veränderungen beobachten
Wenn Sie Veränderungen an Haut oder Haar bemerken, kann es hilfreich sein, diese einfach zu dokumentieren. Machen Sie Fotos über einen längeren Zeitraum und notieren Sie, wann die Veränderung begonnen hat. Das erleichtert die Beschreibung beim Termin und hilft Ihrer Dermatologin oder Ihrem Dermatologen einzuschätzen, ob sich etwas verbessert oder verschlechtert.
Wann Sie zum Arzt sollten
Vereinbaren Sie einen Termin, wenn Sie neuen oder sich verändernden Haarausfall am Haaransatz bemerken, neue oder veränderte Hautflecken, Wunden, die nicht heilen, Blutungen, Schmerzen, Anzeichen einer Infektion oder andere beunruhigende Symptome. Eine frühzeitige Untersuchung erleichtert Diagnose und Behandlung.
Haftungsausschluss
Dieser Artikel fasst ein Gespräch mit einer Dermatologin sowie eine dazugehörige Übersichtsarbeit zusammen. Er dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Behandlungsentscheidungen sollten stets mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprochen werden.
Quellen
- Maryanne Makredes Senna, MD. Interview. (Quelle: Maryanne Makredes Senna, MD, Interview)
- Robinson G, McMichael A, Wang SQ, Lim HW. Sunscreen and frontal fibrosing alopecia: a review. 2019. doi:10.1016/j.jaad.2019.09.085 (Quelle: Robinson G, McMichael A, Wang SQ, Lim HW. Sunscreen and frontal fibrosing alopecia: a review.)