KI-Hautpflegebericht zeigt: Fast die Hälfte der Produktversprechen ist nicht belegt

Warum das wichtig ist

Immer mehr Menschen nutzen Suchmaschinen, soziale Medien und sogar KI-Tools, um passende Hautpflegeprodukte zu finden. Eine neue Analyse zeigt, dass die Produktversprechen, die diese Quellen wiedergeben, nicht immer leicht überprüfbar sind. Das erschwert es den Käuferinnen und Käufern, die Wahrheit zu erkennen – und kann besonders problematisch sein, wenn Produkte für empfindliche oder medizinisch relevante Hautprobleme ausgewählt werden.

Was die Analyse untersucht hat

Das Unternehmen M11 hat 633 Hautpflegemarken durchleuchtet und 1.470 „wirkungsträchtige“ Aussagen für den Bericht „The trust gap in skincare“ geprüft. Wirkungsträchtige Aussagen sind solche, die eine Kaufentscheidung stark beeinflussen können, zum Beispiel Versprechen zur Behandlung von Hautproblemen oder zum Schutz vor der Sonne.

(Quelle: M11 Labs, The trust gap in skincare)

Wichtige Erkenntnisse einfach erklärt

  • Fast die Hälfte der Marken konnte für keine der geprüften wirkungsträchtigen Aussagen unabhängige Belege vorweisen. Das heißt: Auf der Produktseite finden Sie zwar oft selbstbewusste Formulierungen, aber keinen Nachweis dafür.
  • Von den 1.470 untersuchten Aussagen:
    • 849 verwiesen auf Belege, die zwar existieren, aber nicht auf der Produktseite veröffentlicht sind.
    • 454 hatten keine veröffentlichten Nachweise oder wurden durch Angaben auf der Produktseite sogar widerlegt.
    • 128 enthielten Formulierungen, die reguliert sind – also Sprache, die auf eine medizinische oder arzneilich wirksame Wirkung hindeutet.
    • Nur 39 Aussagen konnten direkt auf der Produktseite belegt werden.
  • Etwa 35 % der Marken machten Aussagen zur Behandlung, Heilung oder Vorbeugung von Erkrankungen, die sich auf der Produktseite nicht überprüfen ließen.
  • 23 % gaben Allergiker- oder „frei von“-Versprechen ab, die sich nicht einfach überprüfen ließen, und 12 % machten Sonnenschutzversprechen ohne zugängliche Testergebnisse.
  • M11 zeigte Beispiele, bei denen Produkttexte in den medizinischen Bereich übergingen – etwa ein Balsam, der Linderung bei Ekzemen und Psoriasis versprach, ohne dass auf der Seite eine medizinische Zulassung oder Belege zu finden waren.

Lücken bei Sicherheit und Produktdaten

M11 entdeckte neben unbelegten Aussagen weitere Probleme: Insgesamt wurden 250 schwerwiegende Datenlücken bei 214 Marken dokumentiert. Dazu gehörten:

  • Fehlende Zertifikate.
  • Unvollständige Zutatenlisten.
  • Unterschiedliche Angaben zum gleichen Produkt auf der Markenwebsite, bei Händlern und auf Marktplätzen.
  • Nicht offen gelegte Konzentrationen der Wirkstoffe.
  • Aussagen ohne klare Grundlage.

Rund ein Drittel der Marken hatte mindestens eine Datenlücke, die als hoch oder kritisch eingestuft wurde. Diese Lücken sind besonders relevant für Menschen, die Produkte wegen Allergien, empfindlicher Haut oder chronisch-entzündlicher Hauterkrankungen auswählen.

Bedeutet ein höherer Preis bessere Belege?

M11 entwickelte einen 100-Punkte-Verifizierbarkeitsindex, der Aussagen, Belegquellen und Vollständigkeit der Produktdaten bewertete. Im Durchschnitt erreichten Hautpflegeprodukte 52 von 100 Punkten. Die Werte waren in den Kategorien Massenmarkt, Mittelklasse, Indie- und Luxusmarken ähnlich.

Bemerkenswert: Gerade Luxusmarken wiesen große Lücken bei den Belegen auf. 68 % der beanstandeten Luxus-Aussagen bezogen sich auf Ergebnisse, ohne die zugrundeliegende Studie zu nennen. Bei Indie- und Herausforderermarken fehlten bei 37 % der beanstandeten Aussagen jegliche Belege.

Von allen überprüften Beleglinks (2.859 Links) bestätigte nur etwa jeder 20. eine Aussage tatsächlich.

Warum das für KI-basierte Einkaufshilfen relevant ist

Viele Menschen fragen heute KI-Chatbots oder Einkaufshilfen nach Produktempfehlungen. Diese Tools können nur auf die Informationen zurückgreifen, die online verfügbar sind. Wenn Markenwebseiten, Händler oder Marktplätze unvollständige, widersprüchliche oder unbelegte Angaben zeigen, kann die KI diese Fehler in ihren Antworten wiedergeben.

Der M11-Bericht hat nicht untersucht, ob KI-Tools regelmäßig falsche Hautpflegeempfehlungen geben. Stattdessen wurde die Informationsgrundlage geprüft, auf die sich diese Tools und die Nutzerinnen und Nutzer verlassen. Kurz gesagt: Ein selbstbewusst klingendes Ergebnis online oder von einer KI garantiert nicht, dass eine Aussage tatsächlich belegt ist.

Wie die Analyse durchgeführt wurde – und ihre Grenzen

M11 konzentrierte sich auf Marken mit Präsenz auf dem britischen Markt und ordnete sie in die Kategorien Massenmarkt, Mittelklasse, Indie- und Herausforderermarken sowie Luxus ein. Für die Suche und Klassifizierung der Aussagen auf Produktseiten und verwandten öffentlichen Materialien nutzte das Unternehmen mehrere KI-Modelle verschiedener Anbieter.

Pro Marke wurden etwa zwei wirkungsträchtige Aussagen geprüft. Eine Stichprobe automatischer Klassifizierungen wurde von Menschen überprüft, mit einer Übereinstimmung von 77,8 % bei detaillierten Labels und 86,7 % bei der Einteilung in hohes oder geringes Risiko – was die Hauptüberschrift stützt.

Wichtige Einschränkungen: Die Untersuchung war eine Momentaufnahme, öffentliche Webseiten können sich ändern. Marken wurden nicht kontaktiert, und es ging um die Überprüfbarkeit, nicht darum, ob eine Aussage tatsächlich wahr ist. Eine Aussage, die auf der Markenwebseite nicht verifizierbar war, kann trotzdem richtig sein – nur war der Nachweis öffentlich nicht leicht zu finden.

Was das für Sie beim Hautpflegekauf bedeutet

Sehen Sie selbstbewusst klingende Aussagen als Ausgangspunkt, nicht als Beweis. Wenn Sie ein Produkt für empfindliche Haut, Allergien oder eine diagnostizierte Hauterkrankung auswählen, achten Sie auf klare, zugängliche Informationen wie vollständige Zutatenlisten, Angaben zu Wirkstoffkonzentrationen, Testergebnisse zum Sonnenschutz oder Links zu Studien. Wenn diese Angaben auf der Produktseite fehlen, versuchen Sie, sie anderswo zu finden oder fragen Sie direkt bei der Marke nach.

Wenn Sie KI oder Online-Einkaufshilfen nutzen, bedenken Sie, dass diese nur öffentlich verfügbare Informationen wiedergeben können. Fehlende oder unbelegte Angaben auf Markenwebseiten können sich so in automatisierten Empfehlungen widerspiegeln.

Kurze Tipps

  • Prüfen Sie die Produktseite auf Zutatenlisten und verlinkte Studien oder Testergebnisse.
  • Vergleichen Sie Produktinformationen auf der Markenwebsite, bei Händlern und auf Marktplätzen. Achten Sie auf Übereinstimmung.
  • Bei Aussagen zur Behandlung von Hautkrankheiten sollten klinische Belege oder klare behördliche Zulassungen vorhanden sein. Fehlen diese, seien Sie vorsichtig.
  • Im Zweifel fragen Sie vor der Anwendung bei Hauterkrankungen oder schweren Hautproblemen eine Ärztin oder einen Arzt.

Wie Sie Hautveränderungen beobachten

Einfaches Fotografieren Ihrer Haut über einen längeren Zeitraum kann helfen, Veränderungen wie Ausschlag, Reizungen oder andere Hautveränderungen besser zu erkennen – ob sie sich verbessern oder verschlechtern. Diese Aufzeichnungen sind nützlich, wenn Sie mit einer Ärztin, einem Arzt oder Apotheker sprechen. Bei schneller Verschlechterung, Anzeichen einer Infektion oder neu auftretendem Bluten sollten Sie sofort medizinischen Rat einholen.

Wann Sie zum Arzt gehen sollten

Suchen Sie eine Ärztin oder einen Arzt auf, wenn Sie einen starken oder sich ausbreitenden Ausschlag, starke Schmerzen, Anzeichen einer Infektion (Eiter, zunehmende Rötung, Wärme), schnell veränderte Muttermale oder Hautwucherungen bemerken oder wenn ein frei verkäufliches Produkt Ihre Beschwerden verschlimmert. Bei chronischen Erkrankungen wie atopischer Dermatitis, Psoriasis oder hartnäckiger Akne kann eine Dermatologin oder ein Dermatologe helfen, sichere und wirksame Behandlungen passend zu Ihrer Krankengeschichte auszuwählen.

Haftungsausschluss

Dieser Artikel dient nur zur Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Besprechen Sie Behandlungsentscheidungen immer mit einer Ärztin oder einem Arzt. Bei dringenden oder schweren Symptomen suchen Sie bitte sofort medizinische Hilfe auf.

Quellen

  1. M11 Labs. The trust gap in skincare. (Quelle: M11 Labs, The trust gap in skincare)
  2. Advertising Standards Authority. ASA ruling on L’Oréal (UK) Ltd t/a Garnier. (Quelle: Advertising Standards Authority)
  3. U.S. Food and Drug Administration. Public safety notification on exosome products. (Quelle: U.S. Food and Drug Administration)
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