Monat für UV-Schutz: Experten-Tipps zur Vorbeugung von Hautschäden und Hautkrebs
Warum der UV-Schutzmonat gerade jetzt so wichtig ist
Dieser Artikel basiert auf einem Interview mit Kathleen Suozzi, MD, außerordentliche Professorin für Dermatologie an der Yale School of Medicine (Transkript bearbeitet). Mit dem Sommer vor der Tür ist es eine gute Erinnerung daran, dass Sonnenschutz nicht nur an Strandtagen wichtig ist. Auch alltägliche Sonnenexposition summiert sich mit der Zeit, und diese kumulative Belastung führt sowohl zu sichtbarer Hautalterung als auch zu einem erhöhten Hautkrebsrisiko.
Das Bewusstsein für Sonnenschutz hat sich vor allem bei jüngeren Menschen verbessert, dennoch gibt es viele häufige Fehler. Oft beginnt man zu spät mit dem Schutz, verwendet ihn nicht regelmäßig oder verlässt sich nur auf eine einzige Methode, anstatt verschiedene Maßnahmen zu kombinieren. Deshalb kann es jetzt einen großen Unterschied machen, die Grundlagen noch einmal zu wiederholen – für die langfristige Gesundheit Ihrer Haut.
Worauf Ärztinnen und Ärzte bei der Untersuchung von Sonnenschäden achten
Dermatologinnen und Dermatologen betrachten bei der Hautuntersuchung zwei eng verwandte Aspekte: die kosmetische Hautalterung durch die Sonne und frühe Anzeichen, die auf Hautkrebs hinweisen könnten.
Aktinische Keratose ist eines der wichtigsten Frühwarnzeichen. Dabei handelt es sich um raue, rosa Flecken, die sich wie Schmirgelpapier anfühlen können. Diese gelten als Vorstufen von Plattenepithelkarzinomen, einer häufigen Hautkrebsart. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine einzelne aktinische Keratose sich zu Krebs entwickelt, ist relativ gering (oft geschätzt zwischen 1 zu 100 und 1 zu 1.000), aber wenn viele solcher Stellen oder große betroffene Hautbereiche vorliegen, steigt das Risiko insgesamt.
Weitere Anzeichen sonnenbedingter Hautalterung sind ungleichmäßige braune Flecken (oft als Lentigines bezeichnet), fleckige Pigmentierung, Verlust der Hautelastizität sowie eine unebene oder „kopflastige“ Hautstruktur, die durch Schäden in tieferen Hautschichten entsteht (man spricht hier manchmal von solarer Elastose). Diese Veränderungen führen nicht zwangsläufig zu Krebs, zeigen aber langfristige Sonneneinwirkung und beeinflussen Ihr persönliches Risikoprofil.
Wie Ärztinnen und Ärzte Sonnenschäden behandeln und das Risiko senken
Es gibt verschiedene Ansätze, um bereits bestehende frühe Veränderungen zu behandeln und das Risiko für zukünftige Schäden zu verringern.
Behandlung großer Hautbereiche: Da Sonnenschäden oft großflächig sind, behandeln Dermatologinnen und Dermatologen manchmal ganze Hautareale statt nur einzelne Stellen. Das nennt man Feldtherapie. Klassische Mittel sind Cremes mit Fluorouracil (bekannt unter Markennamen wie Efudex) und neuere Kombinationen, die die Behandlungsdauer verkürzen können, wenn ein Vitamin-D-ähnliches Medikament namens Calcipotriol (calcipotriene) hinzugefügt wird.
Photodynamische Therapie ist eine weitere Feldbehandlung. Dabei wird eine Creme aufgetragen, die geschädigte Zellen lichtempfindlich macht. Anschließend werden diese Zellen mit einer kontrollierten Lichtquelle gezielt behandelt, während die gesündere Haut weitgehend verschont bleibt.
Resurfacing-Laser wirken tiefer als Cremes. Sie regen Veränderungen in der Dermis an, der tieferen Hautschicht, die Kollagen und Blutgefäße stützt. Einige Laser können so ein gesünderes Hautmilieu schaffen. Erste Studien deuten darauf hin, dass diese Methode nicht nur das Hautbild verbessern, sondern langfristig auch das Risiko bestimmter nicht-melanozytärer Hautkrebsarten senken könnte.
Das Zusammenspiel von Immunsystem, Dermis und oberer Hautschicht wird zunehmend erforscht. Mit dem Alter verlangsamen sich Immunreaktion und DNA-Reparatur, weshalb manche Behandlungen darauf abzielen, diese Funktionen zu stärken oder zu imitieren, um Vorstufen von Hautkrebs besser unter Kontrolle zu halten.
Häufige Fragen zu Sonnenschutzmitteln – Antworten von Ärztinnen und Ärzten
Viele Menschen haben Fragen oder Bedenken rund um Sonnenschutzmittel. Hier sind einige der häufigsten und was Fachleute dazu sagen:
- Dringen Inhaltsstoffe von Sonnenschutzmitteln ins Blut ein und sind sie schädlich? Einige chemische Inhaltsstoffe lassen sich im Blut nachweisen, doch diese Stoffe werden seit Jahrzehnten verwendet und es gibt keine eindeutigen Belege dafür, dass die geringen Mengen schädlich sind. Die Forschung geht weiter, und die Behörden überwachen die Sicherheit.
- Sind Spray-Sonnenschutzmittel wegen Chemikalien wie Benzol riskant? Schlagzeilen haben vor Verunreinigungen gewarnt. Wer sich Sorgen um das Einatmen oder Verunreinigungen macht, sollte Aerosolsprays meiden und lieber Cremes oder Lotionen verwenden.
- Ist es zu spät, meine Haut noch zu schützen? Nein. Zwar lassen sich vergangene Sonnenbrände und Schäden nicht vollständig rückgängig machen, aber regelmäßiger Schutz jetzt kann weitere Schäden reduzieren und das Risiko für neue Hautkrebserkrankungen senken.
- Welchen Lichtschutzfaktor (LSF) sollte ich wählen? Ein LSF von 30 oder höher wird empfohlen. LSF 15 blockiert zwar den Großteil der UVB-Strahlen, aber LSF 30 bietet deutlich mehr Schutz. Sehr hohe LSF-Werte bringen nur noch geringe Vorteile und fühlen sich oft schwerer auf der Haut an, was die regelmäßige Anwendung erschweren kann.
Am wichtigsten ist: Der beste Sonnenschutz ist der, den Sie auch wirklich regelmäßig anwenden. Wenn ein Produkt fettig wirkt, reizt oder Pickel verursacht, werden Sie es wahrscheinlich seltener benutzen. Probieren Sie verschiedene Formeln aus, bis Sie eine finden, die zu Ihrer Haut und Ihrem Alltag passt.
Praktische Tipps für den Sonnenschutz
Denken Sie über Sonnenschutzmittel hinaus. Am besten ist eine Kombination verschiedener Maßnahmen:
- Tragen Sie Kleidung mit UV-Schutz (UPF) und überlegen Sie, einen breitkrempigen Hut zu verwenden – der bietet mehr Schutz als eine Baseballkappe.
- Verwenden Sie täglich Sonnenschutz auf allen unbedeckten Hautstellen, auch an Tagen, an denen Sie nur Auto fahren oder kurz Besorgungen machen, und im Winter, da UV-Strahlung auch dann wirkt.
- Tragen Sie den Sonnenschutz alle zwei Stunden erneut auf, wenn Sie draußen sind, und öfter, wenn Sie schwimmen oder schwitzen.
- Vermeiden Sie Sprays, wenn Sie Bedenken wegen des Einatmens haben; Lotionen sind für den Alltag meist sicherer.
Neue Sonnenschutzmittel, auf die Sie achten sollten
Kürzlich hat die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) einen neuen Sonnenschutzwirkstoff namens Bemotrizinol zugelassen. Dieser Wirkstoff wird in Europa und Asien seit Jahren sicher verwendet. Er bietet einen breiten Schutz vor UVA- und UVB-Strahlen in einem einzigen Molekül, ist lichtstabil (bleibt also in der Sonne wirksam) und gilt als leicht und weniger reizend. Da es sich um ein größeres Molekül handelt, wird es weniger wahrscheinlich ins Blut aufgenommen. Produkte mit Bemotrizinol werden in den kommenden Monaten auch auf dem US-Markt erwartet.
Wie sich die Behandlung von Hautkrebs verändert
Die Operation bleibt die wichtigste Methode – viele Hautkrebserkrankungen werden weiterhin chirurgisch entfernt. Doch auch andere Therapien verbessern sich. Immuntherapeutika wie PD-1-Inhibitoren helfen dem Immunsystem, Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen, und verändern bereits die Behandlung einiger fortgeschrittener Hautkrebsarten. Forschende prüfen zudem, ob diese Medikamente vor Operationen (neoadjuvant) eingesetzt werden können, um Tumore zu verkleinern oder ihre Ausbreitung zu begrenzen – mit dem Ziel, in manchen Fällen größere Operationen zu vermeiden.
Behalten Sie Ihre Haut im Blick
Es kann hilfreich sein, Fotos und Notizen von Muttermalen, Flecken oder Hautstellen zu machen, die sich verändern oder anders aussehen. Regelmäßige Bilder über Wochen oder Monate erleichtern es, subtile Veränderungen zu erkennen und sind nützlich bei einem Besuch beim Dermatologen.
Wann Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen sollten
Wenn Sie eine Stelle bemerken, die sich in Größe, Form oder Farbe verändert, blutet, schmerzt oder sich deutlich von Ihren anderen Muttermalen unterscheidet, sollten Sie eine Dermatologin oder einen Dermatologen aufsuchen. Auch bei vielen aktinischen Keratosen oder Unsicherheit bei rauen, schuppigen Hautstellen ist eine ärztliche Abklärung ratsam. Wenn Sie Fragen zu passenden Präventions- oder Behandlungsmöglichkeiten haben, sprechen Sie diese am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Haftungsausschluss
Dieser Artikel dient nur zur Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Die Wahl der Behandlung hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Sprechen Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt über die für Sie besten Optionen.
Quellen
- Interview mit Kathleen Suozzi, MD, außerordentliche Professorin für Dermatologie, Yale School of Medicine (Transkript bearbeitet).
- U.S. Food and Drug Administration: kürzliche Zulassung von Bemotrizinol (im Interview erwähnt).