Seltene Erhöhungen der Leberwerte bei Psoriasis- und HS-Patienten unter Biologika-Therapie
Warum das wichtig ist
Wenn Sie an Psoriasis, Psoriasis-Arthritis oder Hidradenitis suppurativa leiden und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ihnen ein Biologikum oder ein orales zielgerichtetes Medikament empfohlen hat, fragen Sie sich vielleicht, ob Ihre Leber besonders überwacht werden muss. Eine aktuelle Untersuchung aus der Praxis eines akademischen Zentrums hat sich angesehen, wie oft bei Menschen unter diesen Behandlungen Leberwerte kontrolliert wurden und ob auffällige Ergebnisse zu Änderungen der Therapie führten. (Quelle: Bowles et al., Fall Clinical Dermatology Conference 2026)
Kurz zusammengefasst
Die Studie begleitete 393 Erwachsene, die zwischen Januar 2021 und Juni 2023 mit einem Biologikum oder einer oralen zielgerichteten Behandlung begonnen hatten. Die meisten hatten im ersten Jahr mindestens eine Leberwertkontrolle. Starke Erhöhungen der Leberwerte waren selten, und Therapieänderungen aufgrund der Leberwerte kamen nur sehr selten vor.
Was die Forschenden untersucht haben
Die Forscher nutzten elektronische Gesundheitsakten, um Erwachsene zu finden, die im Untersuchungszeitraum eine systemische Therapie mit Biologika oder oralen zielgerichteten Medikamenten wegen Psoriasis (PSO), Psoriasis-Arthritis (PsA) oder Hidradenitis suppurativa (HS) begonnen hatten. Sie prüften Leberwerte, die bis zu sechs Monate vor Beginn der Behandlung (Ausgangswert) und bis zu zwölf Monate danach gemessen wurden. (Quelle: Bowles et al., Fall Clinical Dermatology Conference 2026)
Wer an der Studie teilnahm
Insgesamt nahmen 393 Personen teil. Das Durchschnittsalter lag bei etwa 50 Jahren, 62 % waren Frauen. Die meisten hatten Psoriasis (86 %), viele zusätzlich Psoriasis-Arthritis (64 %) und 11 % Hidradenitis suppurativa. Rund 60 % litten an mehr als einer dieser Erkrankungen. Die gestarteten Therapien umfassten Tumornekrosefaktor-Inhibitoren (TNFi) bei 45,5 % und Phosphodiesterase-4-Inhibitoren (PDE4i) bei 27,7 % der Teilnehmenden.
Was die Studie ergab
Zum Ausgangswert hatten 78,6 % (309 von 393) mindestens einen Leberfunktionstest. Im Jahr nach Therapiebeginn wurden bei 67,7 % (266 von 393) mindestens einmal die Leberwerte erneut kontrolliert; die meisten hatten in diesem Zeitraum eine Kontrolle (Median 1,0, Interquartilsabstand 1–2).
„Abnormale“ Leberwerte bedeuteten hier Werte außerhalb des normalen Laborbereichs. Fast die Hälfte der zu Beginn überwachten Personen (48,2 %, 149 von 309) hatte mindestens einen auffälligen Wert. Die meisten dieser Auffälligkeiten waren mild. „Erhöhte“ Werte wurden in der Studie als mehr als das Dreifache des oberen Normbereichs definiert – das wäre besorgniserregender. Solche Werte traten bei 0,7 % (2 von 309) zum Ausgangswert und bei 1,1 % (3 von 266) während der Nachbeobachtung auf.
Von allen 207 auffälligen Testergebnissen normalisierten sich fast die Hälfte (48,3 %, 100 von 207) von selbst, und zwar im Median nach etwa 151 Tagen (rund fünf Monaten).
Nur bei einer von 393 Personen wurde die Behandlung wegen erhöhter Leberwerte geändert. Wer gleichzeitig andere Therapien erhielt, hatte häufiger Leberkontrollen (Inzidenzrate 1,67), und auch Menschen mit weiteren gesundheitlichen Problemen wurden etwas öfter getestet (IRR 1,25). (Quelle: Bowles et al., Fall Clinical Dermatology Conference 2026)
Was das für Patientinnen und Patienten bedeutet
Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Einzelzentren-Analyse ist: Die meisten Menschen, die diese Therapien beginnen, bekommen im ersten Jahr mindestens eine Leberwertkontrolle. Starke Anstiege der Leberwerte sind selten und führen fast nie dazu, dass die Behandlung abgebrochen oder geändert wird. Das gibt einen realistischen Einblick, gerade weil die Empfehlungen zur Häufigkeit von Leberkontrollen unterschiedlich sind.
Beachten Sie, dass kleine und milde Auffälligkeiten der Leberwerte recht häufig vorkommen und sich oft ohne größere Maßnahmen wieder bessern. Werte, die mehr als dreimal über dem Normalbereich liegen, waren in dieser Gruppe selten.
Wann Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen sollten
Wenn Sie eine Behandlung mit einem Biologikum oder einem oralen zielgerichteten Medikament beginnen, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wie oft Leberwerte kontrolliert werden sollten und warum. Melden Sie sich außerdem sofort bei Ihrem Behandlungsteam, wenn Sie Symptome bemerken, die auf eine Lebererkrankung hinweisen könnten, zum Beispiel:
- Gelbfärbung von Haut oder Augen (Ikterus)
- Dunkler Urin oder helle Stühle
- Bauchschmerzen oder anhaltende Übelkeit
- Ungewöhnliche Müdigkeit oder Schwäche
Diese Anzeichen können auf ein Problem hindeuten und erfordern schnelle ärztliche Abklärung. Entscheidungen zur Behandlung sollten immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Dermatologen getroffen werden.
Wie Sie sichtbare Hautveränderungen beobachten
Wenn Sie verfolgen möchten, wie Ihre Haut auf die Behandlung reagiert, kann es hilfreich sein, Fotos oder Notizen zu neuen oder sich verändernden Hautläsionen zu machen. So fällt es leichter, beim nächsten Termin genau zu beschreiben, was Ihnen aufgefallen ist.
Was Sie bei der Interpretation der Ergebnisse bedenken sollten
Die Studie basiert auf einer Rückschau von Daten aus nur einem akademischen Zentrum, daher spiegeln die Ergebnisse nicht unbedingt die Situation überall wider. Es handelt sich um eine retrospektive Analyse, bei der vorhandene Daten ausgewertet wurden, ohne die Teilnehmenden aktiv zu begleiten. Die Studie wurde von UCB finanziert, einige Autorinnen und Autoren sind bei UCB beschäftigt oder haben Verbindungen zur Pharmaindustrie offengelegt – diese Informationen sind wichtig für die Einordnung, schmälern aber nicht die Aussagekraft der Ergebnisse. (Quelle: Bowles et al., Fall Clinical Dermatology Conference 2026)
Haftungsausschluss
Dieser Artikel dient nur zur Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wie eine Überwachung und Behandlung am besten auf Ihre Gesundheit abgestimmt werden kann. Bei besorgniserregenden Symptomen suchen Sie bitte umgehend ärztliche Hilfe.
Quellen
- Bowles MG, Ndefo U, Lauterbach A, et al. Retrospective observation of liver function tests in biologic-treated patients with psoriasis, psoriatic arthritis, and/or hidradenitis suppurativa. Poster presented at: Fall Clinical Dermatology Conference 2026; October 8–11, 2026; Las Vegas, NV. (Quelle: Bowles et al., Fall Clinical Dermatology Conference 2026)