Was Dermatologie-Pflegefachkräfte und Arzthelfer*innen bei Horizons in Advanced Practice lernen
Warum dieses Treffen für Menschen mit Hauterkrankungen wichtig ist
Bei einem kürzlichen Fachtreffen in Atlanta halfen Fallbesprechungen in kleinen Gruppen Pflegefachkräften (NPs) und Arzthelferinnen und -helfern (PAs), die neuesten Forschungsergebnisse besser in die tägliche Patientenversorgung zu integrieren. Im Mittelpunkt standen praktische Fragen, die Patientinnen und Patienten häufig stellen: neue nicht-steroidale Cremes bei kindlichem Ekzem, neuere Tabletten bei Plaque-Psoriasis, wie man Psoriasis in empfindlichen Bereichen wie Kopfhaut oder Genitalien behandelt, sowie Therapien für Erkrankungen, die durch eine bestimmte Immunreaktion namens Typ-2-Entzündung ausgelöst werden.
Die Sitzungen basierten auf aktuellen, von Fachleuten begutachteten Studien, die als Hintergrundwissen dienten. So konnten die Teilnehmenden neue Studiendaten auf reale Patientensituationen anwenden und voneinander lernen. Das Treffen setzte vor allem auf den Austausch in kleinen Gruppen, die von erfahrenen Dozentinnen und Dozenten geleitet wurden.
Neue nicht-steroidale Hautcremes für kleine Kinder mit Ekzem
Atopische Dermatitis (Ekzem) ist bei Kindern häufig, und viele möchten möglichst lange auf steroidhaltige Cremes verzichten. Kürzlich wurden mehrere nicht-steroidale Cremes, also ohne Kortison, in späten Studienphasen bei kleinen Kindern geprüft – ein zentrales Thema des Treffens.
Drei Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen liegen jetzt mit Phase-3-Daten bei Kindern ab 2 Jahren vor:
- Roflumilast-Creme 0,05 % (ein Phosphodiesterase-4-Hemmer), getestet bei Kindern von 2 bis 5 Jahren (INTEGUMENT-PED). (Quelle: INTEGUMENT-PED)
- Ruxolitinib-Creme (ein Januskinase-Hemmer), geprüft bei Kindern von 2 bis 11 Jahren (TRuE-AD3). (Quelle: TRuE-AD3)
- Tapinarof-Creme 1 % (ein Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor-Agonist), getestet ab 2 Jahren in den ADORING-Studien. (Quelle: ADORING)
Die Cremes unterscheiden sich darin, wie oft sie in den Studien angewendet wurden: Roflumilast und Tapinarof wurden einmal täglich aufgetragen, Ruxolitinib zweimal täglich. In einer Langzeitverlängerungsstudie hörten Kinder und Erwachsene, die mit Tapinarof eine vollständige Hautklarheit erreichten, die Behandlung ab und blieben im Durchschnitt etwa 80 Tage beschwerdefrei – allerdings handelte es sich dabei um eine offene Studie, bei der alle wussten, welche Behandlung sie erhielten. Solche Informationen helfen Ärztinnen und Ärzten, die Optionen abzuwägen und Familien realistisch zu erklären, was zu erwarten ist. (Quelle: ADORING 3)
Wann orale Medikamente bei Plaque-Psoriasis sinnvoll sind
Plaque-Psoriasis wird oft mit Cremes oder Biologika behandelt, doch Tabletten sind für viele Betroffene eine wichtige Alternative. Das Treffen betrachtete drei verschiedene orale Wirkstoffe und die dahinterstehenden Studien, damit Ärztinnen und Ärzte die Behandlung besser auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abstimmen können.
- Apremilast (ein Phosphodiesterase-4-Hemmer) zeigte in den ESTEEM-Studien Wirkung bei manchen Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis. (Quelle: ESTEEM 1 und 2)
- Deucravacitinib (ein TYK2-Hemmer) erzielte in großen Phase-3-Studien (POETYK PSO-1 und PSO-2) bessere Ergebnisse als Placebo und Apremilast und wurde auch speziell bei Kopfhaut-Psoriasis untersucht. (Quelle: POETYK PSO-1, PSO-2, PSORIATYK SCALP)
- Icotrokinra (ein orales Peptid, das den IL-23-Rezeptor blockiert) ist eine neuere Option mit Phase-3-Daten bei Erwachsenen und Jugendlichen, direkten Vergleichen mit Deucravacitinib und Einjahresergebnissen bei Kopfhaut-, Genital- sowie Hand- und Fußbefall. Diese Studien bieten Ärztinnen und Ärzten eine weitere orale Alternative zum Vergleichen. (Quelle: ICONIC-Reihe)
Direkte Vergleichsdaten aus Studien helfen dabei, nicht nur zu verstehen, ob ein Medikament wirkt, sondern auch, wie die Optionen für verschiedene Patientinnen und Patienten im Vergleich abschneiden. Wie immer sind Studienergebnisse nur ein Teil der Entscheidung – Ärztinnen und Ärzte berücksichtigen auch die persönliche Krankengeschichte, mögliche Nebenwirkungen und die Wünsche der Betroffenen.
Psoriasis in besonders belastenden Bereichen behandeln – nicht nur nach Hautfläche
Psoriasis in empfindlichen oder gut sichtbaren Bereichen wie Kopfhaut, Gesicht, Genitalien, Hautfalten (intertriginöse Bereiche) oder Nägeln kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen – auch wenn die insgesamt betroffene Hautfläche (BSA, body surface area) gering ist.
Aktuelle Studien haben diesen Punkt betont, indem sie Patientinnen und Patienten mit kleiner BSA, aber mindestens einem belastenden Bereich, in den Fokus nahmen:
- Die SPECTREM-Studie untersuchte Guselkumab bei Menschen mit 2 bis 15 % BSA und mindestens einem belastenden Bereich. Dabei wurde auch darauf hingewiesen, dass Patientinnen und Patienten mit geringer BSA in Studien oft unterrepräsentiert sind. (Quelle: SPECTREM)
- Getrennte Phase-3b-Studien prüften Tildrakizumab und Secukinumab speziell bei Kopfhaut-Psoriasis, da Kopfhauterkrankungen in früheren Studien selten isoliert betrachtet wurden. (Quelle: Tildrakizumab-Studie; Secukinumab-Studie)
- Die PHOENIX-1-Studie zu Ustekinumab zeigte, dass viele Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis auch Nagelbeteiligung hatten. Nagelerkrankungen waren Teil der Studienlektüre, weil sie schwer zu behandeln sind und den Betroffenen oft sehr wichtig sind. (Quelle: PHOENIX 1)
Diese Studien helfen Ärztinnen und Ärzten, über die reine Hautfläche hinauszudenken und zu berücksichtigen, wie eine Behandlung in Bereichen helfen kann, die Aussehen, Wohlbefinden und Alltag besonders beeinflussen.
Über die atopische Dermatitis hinaus: weitere Erkrankungen mit Typ-2-Entzündung
Typ-2-Entzündung ist ein Immunweg, der bei Erkrankungen wie atopischer Dermatitis, chronischer Nesselsucht und Prurigo nodularis (einer Erkrankung mit stark juckenden Knoten) eine Rolle spielt. Das Treffen beinhaltete Fallbesprechungen, die sich auf aktuelle Studien zu diesen Erkrankungen stützten.
- Chronische spontane Urtikaria (langanhaltende Nesselsucht): Phase-3-Daten zu Dupilumab (blockiert IL-4- und IL-13-Signale) und Remibrutinib (ein oraler Bruton-Tyrosinkinase-Hemmer). (Quelle: LIBERTY-CSU CUPID; Remibrutinib-Studie)
- Prurigo nodularis: Phase-3-Studien zu Dupilumab und Nemolizumab (ein IL-31-Rezeptor-alpha-Blocker). Diese Behandlungen können bei Juckreiz und Hautläsionen helfen. (Quelle: LIBERTY-PN-Studien; Nemolizumab-Studie)
- Außerdem gab es eine nachträgliche Analyse bei Kindern von 6 bis 11 Jahren mit schwerer atopischer Dermatitis, die Wachstum und einen Knochenmineralisierungsmarker über ein Jahr verfolgte. Alle Kinder erhielten nach Woche 16 Dupilumab, und die Analyse betrachtete Größe und knochenbezogene Werte. Diese Zusatzinformationen können Ärztinnen und Ärzte bei der Behandlung von Kindern berücksichtigen. (Quelle: Dupilumab-Wachstums- und Knochenmarker-Analyse)
Wie die kleinen Gruppendiskussionen Ärztinnen und Ärzte unterstützen – und warum das für Patientinnen und Patienten wichtig ist
Das Treffen setzte darauf, dass Ärztinnen und Ärzte reale Patientinnen- und Patientenfälle in kleinen Gruppen gemeinsam durchgehen, neue Daten anwenden und praktische Fragen stellen. Dieses Lernen voneinander hilft, besser zu verstehen, wie Studienergebnisse im Alltag umgesetzt werden können: Wer passt gut zu einem neuen Medikament? Wie lange sollte eine Behandlung dauern? Wie kann man Erwartungen zu Wirkung und Nebenwirkungen realistisch gestalten?
Wann Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen sollten
Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt oder einer Dermatologin/einem Dermatologen, wenn Sie:
- zunehmenden Juckreiz, sich ausbreitenden Ausschlag oder neue Hautstellen bemerken.
- Anzeichen einer Hautinfektion haben (steigende Schmerzen, Wärme, Eiter oder Fieber).
- Psoriasis in empfindlichen Bereichen (Kopfhaut, Gesicht, Hände, Genitalien oder Nägel), die Ihr Wohlbefinden oder Ihren Alltag beeinträchtigt.
- unsicher sind, ob Sie ein Medikament beginnen oder absetzen sollen, oder Fragen zu Nebenwirkungen haben.
Die Wahl der Behandlung hängt von vielen persönlichen Faktoren ab. Dieser Artikel dient nur zur Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Besprechen Sie Therapieentscheidungen immer mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt oder Dermatologin/Dermatologen.
Veränderungen Ihrer Haut beobachten
Wenn Sie einen sichtbaren Ausschlag, ein Muttermal oder eine Hautveränderung haben, kann ein einfaches Fototagebuch helfen, Veränderungen über die Zeit zu erkennen und sich auf einen Arztbesuch vorzubereiten. Eine klare Serie von datierten Fotos bei ähnlichem Licht erleichtert es Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, Fortschritte oder Verschlechterungen zwischen den Terminen zu beurteilen.
Haftungsausschluss
Dieser Artikel fasst Themen eines Fachtreffens und aktuelle, von Experten begutachtete Studien zusammen. Er dient allgemeinen Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung. Für persönliche Anliegen sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt. Bei dringenden oder besorgniserregenden Hautveränderungen (schnelles Wachstum, Blutungen, starke Schmerzen oder Infektionszeichen) suchen Sie bitte umgehend medizinische Hilfe.
Quellen
- (Quelle: INTEGUMENT-PED) Eichenfield LF, Serrao R, Prajapati VH, et al. Efficacy and safety of once-daily roflumilast cream 0.05% in pediatric patients aged 2-5 years with mild-to-moderate atopic dermatitis (INTEGUMENT-PED): a phase 3 randomized controlled trial. doi:10.1111/pde.15840
- (Quelle: TRuE-AD3) Eichenfield LF, Stein Gold LF, Simpson EL, et al. Efficacy and safety of ruxolitinib cream in children aged 2 to 11 years with atopic dermatitis: results from TRuE-AD3, a phase 3, randomized double-blind study. doi:10.1016/j.jaad.2025.05.1385
- (Quelle: ADORING) Silverberg JI, Eichenfield LF, Hebert AA, et al. Tapinarof cream 1% once daily: significant efficacy in the treatment of moderate to severe atopic dermatitis in adults and children down to 2 years of age in the pivotal phase 3 ADORING trials. doi:10.1016/j.jaad.2024.05.023
- (Quelle: ADORING 3) Bissonnette R, Stein Gold L, Kircik L, et al. Skin clearance, duration of treatment-free interval, and safety of tapinarof cream 1% once daily: results from ADORING 3, a 48-week phase 3 open-label extension trial in adults and children down to 2 years of age with atopic dermatitis. doi:10.1016/j.jaad.2025.05.1391
- (Quelle: ESTEEM 1) Papp K, Reich K, Leonardi CL, et al. Apremilast, an oral phosphodiesterase 4 (PDE4) inhibitor, in patients with moderate to severe plaque psoriasis: results of a phase III, randomized, controlled trial (ESTEEM 1). doi:10.1016/j.jaad.2015.03.049
- (Quelle: ESTEEM 2) Paul C, Cather J, Gooderham M, et al. Efficacy and safety of apremilast in patients with moderate-to-severe plaque psoriasis over 52 weeks: a phase III, randomized controlled trial (ESTEEM 2). 2015;173(6):1387-1399. doi:10.1111/bjd.14164
- (Quelle: POETYK PSO-1) Armstrong AW, Gooderham M, Warren RB, et al. Deucravacitinib versus placebo and apremilast in moderate to severe plaque psoriasis: efficacy and safety results from POETYK PSO-1. doi:10.1016/j.jaad.2022.07.002
- (Quelle: POETYK PSO-2) Strober B, Thaçi D, Sofen H, et al. Deucravacitinib versus placebo and apremilast in moderate to severe plaque psoriasis: results from POETYK PSO-2. doi:10.1016/j.jaad.2022.08.061
- (Quelle: PSORIATYK SCALP) Duffin KC, Griffiths CEM, Hoffmann M, et al. Deucravacitinib in patients with moderate to severe scalp psoriasis: efficacy and safety through week 16. doi:10.1016/j.jdin.2025.09.022
- (Quelle: ICONIC-LEAD / ICONIC Reihe) Bissonnette R, Soung J, Hebert AA, et al. Oral icotrokinra for plaque psoriasis in adults and adolescents. 2025;393(18):1784-1795. doi:10.1056/NEJMoa2504187; Stein Gold L, Armstrong AW, Bissonnette R, et al. ICONIC-ADVANCE 1 & 2. 2025;406(10510):1363-1374. doi:10.1016/S0140-6736(25)01576-4; Warren RB, Gooderham M, Lain E, et al. ICONIC-TOTAL. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2026;40(9):1502-1514. doi:10.1111/jdv.70471
- (Quelle: SPECTREM) Stein Gold L, Gottlieb AB, Armstrong AW, et al. SPECTREM phase IIIb trial: guselkumab for low body surface area, moderate psoriasis with high-impact site involvement. doi:10.1093/bjd/ljaf327
- (Quelle: Tildrakizumab-Studie) Sofen HL, Gebauer K, Spelman L, et al. Efficacy and safety of tildrakizumab for moderate-to-severe scalp psoriasis: week 52 results. doi:10.1016/j.jaad.2024.12.018
- (Quelle: Secukinumab-Studie) Bagel J, Duffin KC, Moore A, et al. The effect of secukinumab on moderate-to-severe scalp psoriasis: 24-week results. doi:10.1016/j.jaad.2017.05.033
- (Quelle: PHOENIX 1) Rich P, Bourcier M, Sofen H, et al. Ustekinumab improves nail disease in patients with moderate-to-severe psoriasis: results from PHOENIX 1. doi:10.1111/bjd.12632
- (Quelle: LIBERTY-CSU CUPID) Maurer M, Casale TB, Saini SS, et al. Dupilumab in patients with chronic spontaneous urticaria: two randomized, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trials. J Allergy Clin Immunol. doi:10.1016/j.jaci.2024.01.028
- (Quelle: Remibrutinib-Studie) Metz M, Giménez-Arnau A, Hide M, et al. Remibrutinib in chronic spontaneous urticaria. 2025;392(10):984-994. doi:10.1056/NEJMoa2408792
- (Quelle: LIBERTY-PN PRIME und PRIME2) Yosipovitch G, Kim BS, Kwatra SG, et al. Dupilumab improves pruritus and skin lesions in prurigo nodularis: pooled results from phase 3 trials. doi:10.1016/j.jdin.2024.03.025
- (Quelle: Nemolizumab-Studie) Kwatra SG, Yosipovitch G, Legat FJ, et al. Phase 3 trial of nemolizumab in prurigo nodularis. 2023;389(17):1579-1589. doi:10.1056/NEJMoa2301333
- (Quelle: Dupilumab-Wachstums- und Knochenmarker-Analyse) Irvine AD, Paller AS, Siegfried EC, et al. Dupilumab treatment improves linear growth and bone biomarkers in children with atopic dermatitis: post hoc analysis. 2026;95(5):1324-1334. doi:10.1016/j.jaad.2026.07.006